Die Europäische Zentralbank hat am Dienstag die 36 Banken und Zahlungsdienstleister benannt, die den digitalen Euro in die Praxis überführen sollen. Aus Deutschland sind die Deutsche Bank, die DZ Bank und die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) dabei, zusätzlich die Frankfurter Payment-Spezialisten Payone und RS2 Financial Services. Der zwölfmonatige Pilottest beginnt in der zweiten Jahreshälfte 2027, den flächendeckenden Rollout des digitalen Euro plant die EZB frühestens 2029 - vorausgesetzt, das Europäische Parlament schließt bis Jahresende 2026 die Gesetzgebung ab.

Über 50 Institute hatten sich um die Teilnahme beworben, teilte die Bundesbank am Dienstag mit. Der Test soll klären, ob der digitale Euro „im realen Alltag, etwa beim Einkaufen, verlässlich und nutzerfreundlich“ funktioniere, zitiert die Notenbank aus dem Konzept. Erprobt werden Peer-to-Peer-Zahlungen zwischen Nutzern - online wie offline - sowie Transaktionen zwischen Verbrauchern und Händlern. Das Testsystem läuft als Beta ohne gesetzliche Zahlungsmittelqualität; genutzt wird es zunächst nur von den Mitarbeitenden der beteiligten Institute und Zentralbanken.

„Wir haben uns als Deutsche Bank beworben, um den digitalen Euro gut in die europäische Zahlungslandschaft zu integrieren“, ließ das größte deutsche Kreditinstitut nach eigenen Angaben verlauten. Die DZ Bank sortiert als Zentralinstitut den Zahlungsverkehr von 650 Volks- und Raiffeisenbanken, die Helaba wickelt Zahlungen für rund 340 Sparkassen ab. Beide sind damit indirekt für weite Teile des deutschen Bankwesens im Test präsent. Auffällig ist die Absenz der Commerzbank. Deutschlands zweitgrößtes Privatkundeninstitut priorisiere „andere laufende Initiativen im Zahlungsverkehr“, hieß es zur Begründung.

Cipollones Kampf gegen die US-Dominanz

Federführend für das Projekt ist bei der EZB Piero Cipollone, seit Ende 2023 Mitglied des sechsköpfigen Direktoriums. Der Italiener macht seit Monaten Druck für eine schnelle Einführung. Rund zwei Drittel der Kartenzahlungen im Euroraum laufen über Visa und Mastercard, große Teile des Online-Handels über US-Anbieter wie Paypal und Apple Pay. Der digitale Euro soll eine europäische Alternative bieten, die auch bei geopolitischen Verwerfungen funktioniert. Cipollone räumte zuletzt auf einer Konferenz ein, dass die EZB in Bürgerumfragen nur eine Minderheit für das Vorhaben gewinne - der Datenschutz sei das häufigste Bedenken.

In der Online-Variante werde die EZB „nur minimale Daten“ erhalten, versicherte Cipollone laut Börsen-Zeitung. Konkret könne die Notenbank keinerlei Zahlungscodes einer Person zuordnen, weder Sender noch Empfänger seien für die EZB identifizierbar. Kritiker verweisen darauf, dass dieser Schutz an der technischen Umsetzung durch die teilnehmenden Banken hänge - und dass die Regelung durch spätere EU-Gesetzgebung enger gefasst werden könne.

Lobby-Vorwurf einen Tag vor der Auswahl

Für die Deutsche Bank und die DZ Bank fällt die Nominierung in eine unangenehme Zeit. Vier Tage vor der EZB-Bekanntgabe hatte die Bürgerbewegung Finanzwende bei der Bundestagsverwaltung eine Beschwerde eingereicht: Mehrere Banken sollen Positionspapiere und Änderungsvorschläge zur Digitalen-Euro-Gesetzgebung eingebracht haben, ohne diese im Lobbyregister zu vermerken. Neben Deutsche Bank und DZ Bank stehen auch der Genossenschaftsverband BVR, der Sparkassenverband DSGV, die italienische UniCredit und die niederländische ING auf der Liste.

Problematisch wird es, wenn für Bürgerinnen und Bürger nicht mehr nachvollziehbar ist, wer Gesetze wie beeinflusst.
- Kevin Kühnert, Finanzwende

Kevin Kühnert, seit Dezember 2025 Bereichsleiter für Steuern und Lobbyismus bei Finanzwende, benannte den Vorwurf mit deutlichen Worten. Die Deutsche Bank und ING wiesen die Anschuldigungen zurück, die DZ Bank und UniCredit kündigten interne Prüfungen an. Ein Verstoß gegen das Lobbyregistergesetz kann Ordnungsgelder von bis zu 50.000 Euro nach sich ziehen; ob die Bundestagsverwaltung ein förmliches Verfahren eröffnet, ist offen.

Für Verbraucher wird der digitale Euro frühestens 2029 relevant. Die EZB betont, das neue Geld solle Bargeld „ergänzen, nicht ersetzen“ - Scheine und Münzen blieben gesetzliches Zahlungsmittel. In Deutschland ist die Skepsis groß: Nach einer Bundesbank-Umfrage möchten viele Befragte Transaktionsdaten lieber nicht der Notenbank anvertrauen. Die Pilotphase soll die Antwort auf diese Zurückhaltung liefern - im Idealfall. Zunächst aber muss das Vorhaben durch das Europäische Parlament kommen; die politische Bewertung des digitalen Euro dürfte im Herbst noch heftig werden.