Die Europäische Zentralbank hat den Leitzins am Donnerstag erneut angehoben. Der Einlagenzins steigt um 25 Basispunkte auf 2,50 Prozent, nachdem der EZB-Rat im Juli noch pausiert hatte. Es ist der zweite Zinsschritt des Jahres 2026. EZB-Präsidentin Christine Lagarde begründete den Beschluss mit einer Inflationsrate von 3,3 Prozent im Euroraum, deutlich über dem Zielwert von zwei Prozent.
Auslöser der Preisdynamik ist vor allem der schwelende Konflikt im Nahen Osten. Der Ölpreis stieg an diesem Donnerstag über 100 US-Dollar je Barrel. „Der Konflikt im Nahen Osten erzeugt weiterhin Inflationsdruck“, sagte Lagarde in ihrem geldpolitischen Statement, das die EZB im Wortlaut veröffentlichte. Die Teuerung dürfte „für einen längeren Zeitraum deutlich über unserem Zielwert bleiben“.
Ungewöhnlich war der Ort: Die Sitzung des Zentralbankrats fand nicht in Frankfurt statt, sondern im Berliner Gästehaus der Bundesbank. Gastgeber war Bundesbank-Präsident Joachim Nagel, der Berlin-Termin war seit Monaten geplant. Nagel gilt in Frankfurt als möglicher Kandidat für die Lagarde-Nachfolge, wenn deren Amtszeit im Herbst 2027 endet. Öffentlich äußerte er sich zurückhaltend, verwies aber gemeinsam mit Lagarde auf einen Rückgang der Kerninflation von 2,5 auf 2,4 Prozent.
Die Widerstandsfähigkeit der Wirtschaft des Euroraums ist stärker als erwartet.
Markt reagiert, AfD-Frage steht im Raum
An der Börse fiel die Reaktion negativ aus: Der DAX rutschte nach der Ansage ins Minus und schloss auf dem tiefsten Stand seit Juli. Marktakteure preisen einen weiteren Zinsschritt für Dezember bereits ein. Die Wachstumsprognose der EZB hob Lagarde zugleich leicht an: Für 2026 rechnet die Notenbank nun mit einem Plus von 0,9 Prozent, für 2027 mit 1,4 Prozent.
Auf der Pressekonferenz an der Spree sprachen Lagarde und Nagel auch über den politischen Rahmen. Auf eine Nachfrage zum Aufstieg euroskeptischer Parteien nach der AfD-Wahl in Sachsen-Anhalt antworteten beide besorgt, ohne die Partei namentlich zu nennen. Der Beschluss über die weitere Zinspolitik werde, so Lagarde, „von der Datenlage abhängen und von Sitzung zu Sitzung erfolgen“.