Die Europäische Zentralbank hat den Einlagensatz am Donnerstag bei 2,25 Prozent belassen. Auch der Hauptrefinanzierungssatz von 2,4 Prozent und der Spitzenrefinanzierungssatz von 2,65 Prozent bleiben unverändert. EZB-Chefin Christine Lagarde erklärte in Frankfurt, der Rat wolle abwarten, wie sich der Energieschock aus dem wiederentbrannten Iran-Krieg durch die Preise arbeite. Es ist die erste Pause nach der Zinserhöhung im Juni, mit der die EZB als einzige westliche Notenbank in diesem Zyklus tatsächlich nachlegte.

Der Schritt war so erwartet worden. Nach dem Kollaps der iranisch-amerikanischen Waffenruhe Anfang Juli und neuen Angriffen auf Tanker im Roten Meer notierte Brent zuletzt wieder über 90 Dollar pro Barrel; im März hatte der Preis nahe 120 Dollar gelegen. Im Juni war die Inflation im Euroraum auf 2,8 Prozent gesunken, doch der Kernbereich Dienstleistungen verharrt bei 3,2 Prozent. In ihrer geldpolitischen Erklärung sagte Lagarde, „der Energieschock schlägt sich nach wie vor in höheren Preisen nieder“, und die Auswirkungen seien „noch nicht vollständig zum Tragen gekommen“. Die Inflation werde sich damit „bis in die erste Jahreshälfte 2027 deutlich über dem Zielwert“ halten.

Wir legen uns nicht im Voraus auf einen bestimmten Zinspfad fest.
- Christine Lagarde, EZB-Pressekonferenz vom 23. Juli 2026

Eine Vorfestlegung auf den September vermied die Französin ausdrücklich. Zugleich wies sie darauf hin, dass vor der nächsten Sitzung wichtige Daten zu Inflation, Wachstum und Löhnen einlaufen. Bislang sehe der Rat „keine Zweitrundeneffekte“, das Lohnwachstum bleibe „moderat in den kommenden Quartalen“, so Lagarde. Diese Zweitrunden - also die Weitergabe der Energiekosten in Löhne und Kerninflation - gelten intern als die entscheidende Auslöseschwelle für einen weiteren Schritt.

Markt wettet auf September

An den Terminmärkten gilt eine Erhöhung um 25 Basispunkte auf 2,5 Prozent im September inzwischen als nahezu sicher, wie die Wirtschaftswoche berichtet. Auch die LBBW-Research schreibt, sollten die Daten das Bild einer nach oben gerichteten Inflationsrisiko-Balance bestätigen, sei eine Straffung im September „konsistent mit der aktuellen EZB-Sprache“. Maximilian Wienke, Marktanalyst bei eToro, sagte gegenüber der ZDFheute-Redaktion: „Wirklich kritisch wird es, wenn sich Zweitrundeneffekte durchsetzen und die Kerninflation nachhaltig nach oben treiben.“ Die EZB, so der Analyst weiter, wolle unbedingt vermeiden, wie 2022 einen Preisschock zu unterschätzen.

Politisch steht die Notenbank damit im Kontrast zu Fed und Bank of England, die ihre Sätze halten, ohne im laufenden Zyklus überhaupt erhöht zu haben. Die Euronews notiert, die EZB sei die einzige große westliche Notenbank, die den Schritt tatsächlich gegangen sei. Für den Euro bleibt das ein Stützungsfaktor: Nach der Entscheidung tendierte er gegenüber dem Dollar zunächst seitwärts, während Bundesanleihen leicht nachgaben - ein Zeichen dafür, dass die Märkte den September-Schritt bereits eingepreist haben.

Wie es weitergeht, hängt an zwei Kurven, die Frankfurt nicht kontrolliert: dem Ölpreis und den Lohnabschlüssen der zweiten Jahreshälfte. Solange der Konflikt am Golf schwelt und Brent oberhalb der 90-Dollar-Marke bleibt, dürfte der Druck auf die EZB, im September nachzulegen, kaum nachlassen. Die neuen Projektionen und ein Update zum Lohnwachstum sind für die Sitzung am 10. September angekündigt.