DGB-Vorsitzende Yasmin Fahimi hat am Freitag ein gesetzliches Hitze-Ausfallgeld gefordert und die Debatte um Arbeitsschutz bei extremen Temperaturen mitten in die laufende Unwetterlage getrieben. Anlass ist eine bundesweite Umfrage des Deutschen Gewerkschaftsbunds unter 4.000 Beschäftigten, die der DGB gemeinsam mit der Erklärung veröffentlicht hat. Danach fühlt sich mehr als jede und jeder dritte Beschäftigte durch hohe Temperaturen am Arbeitsplatz stark oder eher stark belastet; in Innenräumen ohne Klimaanlage sind es bis zu 50 Prozent. Fahimi verknüpft die Zahlen mit einer klaren Forderung an Koalition und Bundestag: In Extremfällen werde sich witterungsbedingter Arbeitsausfall künftig nicht mehr vermeiden lassen, „daher ist der Gesetzgeber aufgefordert, hierfür Regelungen zu finden“.
Volkswirtschaftlich beziffert der DGB unter Berufung auf eigene Auswertungen die Kosten jedes Hitzetags mit mindestens 30 Grad Celsius auf 431 Millionen Euro. Fahimi verweist auf eine deutlich unterschiedliche Betroffenheit: 23 Prozent der Beschäftigten ohne Zeitdruck berichten von deutlichen Hitzebelastungen - unter denen, die häufig unter Zeitdruck arbeiten, sind es 48 Prozent. „Beschäftigte, die draußen arbeiten, unter extremem Zeitdruck stehen oder besonders schwer körperlich arbeiten“, seien nach Fahimis Worten am stärksten betroffen. Sie nennt Paketzustellerinnen, Pflegekräfte und Einsatzkräfte als konkrete Berufsgruppen.
In extremen Fällen wird zukünftig witterungsbedingter Arbeitsausfall nicht ausbleiben.
Vorbild Winterausfallgeld
Ein Hitze-Ausfallgeld würde in der Logik dem im Bausektor geltenden Saison-Kurzarbeitergeld beim Frost ähneln: Der Betrieb müsste Beschäftigte an besonders belasteten Tagen freistellen können, ohne das Lohnrisiko einseitig auf Arbeitnehmerinnen oder Firmen abzuwälzen. Über den konkreten Mechanismus, insbesondere die Finanzierung aus Steuermitteln, Beitragsgeldern der Arbeitgeber oder einem Sondertopf, hat der DGB am Freitag noch keine Details vorgelegt. Als Sofortmaßnahmen fordert Fahimi Verschattungen, bereitgestellte Getränke, gelockerte Kleiderordnungen sowie eine „ganzheitliche Hitzeschutzstrategie“ der Bundesregierung. Die Arbeitsstättenverordnung enthält bereits Vorgaben zu Raumtemperaturen, ist bei Außenarbeit aber weitgehend zahnlos.
Die Forderung fällt in eine Woche, in der der Deutsche Wetterdienst amtliche Unwetterwarnungen für den Süden und Osten ausgegeben hat und in Karlsruhe in der Nacht zum Freitag ein Radfahrer von einem umstürzenden Baum erschlagen wurde. Nach RKI-Schätzungen starben allein in der Juni-Hitzewelle 2026 rund 5.100 Menschen an hitzebedingten Ursachen - eine Zahl, die dem DGB-Verweis auf Klimaexperten zugrunde liegt. Im Bundestag hatten SPD und Grüne bereits nach der Hitzewelle 2023 einen bundesweiten Hitzeaktionsplan gefordert, die inzwischen amtierende Koalition unter Kanzler Friedrich Merz hat sich zu einem eigenen Vorstoß bislang nicht bekannt. Fahimi macht den Druck vor der parlamentarischen Sommerpause damit früher öffentlich als in den Vorjahren.