Die knapp 3600 Bewohner der Falklandinseln reagieren auf das umstrittene Banner der argentinischen Nationalspieler mit einer Mischung aus Genervtheit und Trotz. Nach dem 2:1-Halbfinalsieg gegen England am Dienstag hatten Lisandro Martínez und Giovani Lo Celso im Stadion in Atlanta ein weißes Transparent mit der Aufschrift „Las Malvinas son argentinas“ in die Höhe gehalten. Wie die Schweizer Zeitung 20 Minuten am Freitag berichtete, sehen die Falkländer die Aktion als vorhersehbaren Vorstoß Buenos Aires', den kaum jemand ernst nimmt.
Für Tom, 26 Jahre alt und beim örtlichen Tourismusverband beschäftigt, war die Szene keine Überraschung. „Das Banner war so vorhersehbar, dass es fast schon lustig war“, zitiert ihn 20 Minuten. Argentinien beansprucht die Inseln seit 1833; für die dort geborenen Bewohner ist die Debatte Alltag. „Seit Generationen werden wir hier geboren, leben hier und sterben hier - während jemand anderes versucht, uns unsere Heimat abzusprechen“, sagte Tom weiter. Die Falkländer verstünden sich als „ein eigenes Volk mit einer eigenen Identität, das sich dafür entschieden hat, britisch zu sein“.
Jessica, 20 Jahre alt und Falkländerin in siebter Generation, absolviert derzeit in Großbritannien eine Ausbildung zur tierärztlichen Assistentin. „Es ist eine seltsame Situation, wenn jemand anderes glaubt, der Ort, an dem man lebt, sollte ihm gehören“, sagte sie 20 Minuten. Ihr Selbstverständnis bringt sie in einem Satz auf den Punkt: „Falkländerin zu sein, ist ein zentraler Teil meiner Identität: Ich bin Falkländerin und Britin“.
Falkländerin zu sein, ist ein zentraler Teil meiner Identität: Ich bin Falkländerin und Britin.
Der Wunsch nach britischer Zugehörigkeit ist auf den Inseln überwältigend dokumentiert. Bei einer Volksabstimmung im Jahr 2013 stimmten 99,8 Prozent der wahlberechtigten Falkländer dafür, britisches Überseegebiet zu bleiben. Die Regierung in London verweist regelmäßig auf diese Zahl, um argentinische Ansprüche zurückzuweisen. Auch nach dem WM-Eklat wiederholte ein Sprecher von Premierminister Keir Starmer laut Al Jazeera die Linie: „Die Falkland-Insulaner sind britisch und haben das Recht, über ihre Zukunft selbst zu bestimmen“.
Fifa prüft, Milei beschwichtigt
Die Fifa hat am Donnerstagabend Ermittlungen wegen politischer Botschaften bei ihren Turnieren angekündigt. Der Weltverband erklärte, die Disziplinarkommission prüfe die Spielberichte „wie üblich“ und werde dann über mögliche Konsequenzen entscheiden, wie die Sportschau berichtete. 2014 hatte die Fifa den argentinischen Verband bereits mit 30.000 Schweizer Franken belegt, nachdem Spieler ein wortgleiches Transparent gezeigt hatten. Präsident Javier Milei stellte sich diesmal nicht hinter die Geste. „Fußball und der Falkland-Konflikt sollten nicht vermischt werden“, zitiert ihn die Sportschau; die Malvinas-Frage werde durch „kluge Diplomatie, nicht durch billige patriotische Gesten“ gelöst.
Alter Konflikt, alte Reflexe
Der Territorialstreit reicht in die Kolonialzeit zurück. 1833 vertrieb Großbritannien die argentinische Verwaltung militärisch von den Inseln; 1982 versuchte die Militärjunta in Buenos Aires die Rückeroberung und verlor den 74-tägigen Falklandkrieg gegen die Regierung von Margaret Thatcher. Nach Angaben von 20 Minuten starben rund 650 argentinische und 255 britische Soldaten. Für Argentinien bleiben die Malvinas seit einer Verfassungsreform von 1994 ein festgeschriebener Anspruch, für London eine Frage des Selbstbestimmungsrechts der Bewohner.
Auf den Inseln selbst wirkt der Streit inzwischen abgenutzt. „Argentiniens Ansprüche langweilen mich inzwischen“, sagte Grant, 54, seit 1998 auf den Falklands ansässig und mit familiären Wurzeln vor Ort, gegenüber 20 Minuten. Am Sonntag trifft Argentinien im WM-Finale in New York auf Spanien. Wie das Team einen möglichen Titel feiern würde - politisch oder rein sportlich - dürfte spätestens dann erneut Thema werden.