Nigel Farage, Chef der rechtspopulistischen Reform-UK-Partei, hat am Dienstag sein Unterhausmandat für den Wahlkreis Clacton niedergelegt und noch am selben Abend seine Wiederkandidatur bei der anstehenden Nachwahl angekündigt. Auslöser ist eine parlamentarische Untersuchung wegen einer nicht deklarierten Spende von fünf Millionen Pfund. Bis Mittwoch hatte sich unter den großen britischen Parteien niemand gefunden, der gegen ihn antreten will. Der einzige bestätigte Gegenkandidat: Komiker Jon Harvey, der als „Count Binface“ mit einer Mülltonne auf dem Kopf zu Wahlen antritt.
Hintergrund ist eine Prüfung des Standards Committee des Unterhauses zu einer Zahlung von fünf Millionen Pfund, die der Krypto-Milliardär Christopher Harborne dem Reform-Chef 2024 kurz vor dessen Einzug ins Parlament überwies. Farage argumentiert, das Geld habe seiner persönlichen Sicherheit gedient und sei nicht politisch veranlasst gewesen; nach den Regeln des Unterhauses müssen Abgeordnete aber alle Zuwendungen aus den zwölf Monaten vor der Wahl offenlegen. Die Wikipedia-Chronik zur Nachwahl nennt außerdem frühere Zuwendungen des Lobbyisten George Cottrell, mutmaßliche Krypto-Lobbyarbeit und unklare Immobilienangaben als Prüfaspekte. Solange Farage kein Abgeordneter ist, ruht das Verfahren - es kann jedoch wieder aufgenommen werden, sollte er die Nachwahl gewinnen.
Die etablierten Parteien reagierten mit demonstrativer Missachtung. Die Konservativen unter Kemi Badenoch bezeichnen die Nachwahl als „Fake-Wahlkampf“ und verzichten wie Labour, Liberaldemokraten und Grüne auf einen eigenen Bewerber. Labours Innenministerin Yvette Cooper nannte den Schritt laut taz einen politischen Stunt zur Ablenkung von der Untersuchung. Lib-Dem-Chef Ed Davey forderte die Regierung noch am Dienstag auf, den Mandatsverzicht formal zu blockieren. Grünen-Chef Zack Polanski warf Farage vor, sich als Anti-Establishment-Kandidat zu inszenieren, obwohl er dessen Bestandteil geworden sei. Rupert Lowe von der Abspaltung Restore Britain sprach von einem „Medienzirkus“.
Los geht's, Nige.
Wer ist Count Binface
Hinter der Kunstfigur steht Comedy-Autor Jon Harvey, der seit Jahren gegen prominente Politiker antritt: 2019 gegen Boris Johnson in Uxbridge, 2024 gegen Rishi Sunak in Richmond, zuletzt bei einer Nachwahl gegen Andy Burnham in Makerfield. Sein Auftritt zitiert Star-Wars-Bösewicht Darth Vader - schwarzer Umhang, schwarze Uniform, dazu eine Mülltonne als Helm. Zu seiner Kandidatur in Clacton sagte Harvey der BBC, sein Auftrag sei es, „die Wunder der britischen Demokratie zu feiern und zu verteidigen“. Dass die großen Parteien fern bleiben, kommentierte er trocken - das „sage mehr über sie aus als über mich“, zitiert die Nordwest-Zeitung. Chancen auf einen Sieg räumt Harvey sich selbst nicht ein.
Nachwahl ohne echten Gegner
Ein Termin für die Nachwahl steht noch nicht fest. Reform UK peilt laut der englischen Wikipedia-Aufstellung zur Clacton by-election den 6. August 2026 als möglichen Wahltag an; die Frist beginnt jedoch erst zu laufen, wenn das Parlament das Verfahren offiziell auslöst. Neben Farage und Binface haben Ex-Reclaim-Chef Laurence Fox, ein Bewerber der Forward Party und ein Kandidat der Monster Raving Loony Party ihre Bewerbung angekündigt - Splittergruppen, die den Ausgang kaum beeinflussen dürften. Farage hatte den Wahlkreis 2024 mit 46,2 Prozent der Stimmen und einem Vorsprung von 8.405 Stimmen gewonnen; ein Sieg dürfte auch dieses Mal sicher sein. Politisch angeschlagen bleibt der Reform-Chef trotzdem: Nach einer YouGov-Umfrage, die die taz zitiert, halten ihn nur zwölf Prozent der Britinnen und Briten für ehrlich, wenn es um seine Finanzen geht.