Wie wir am Donnerstag berichteten, stellte sich Nigel Farage in Clacton der von ihm selbst provozierten Nachwahl. Kurz nach 6 Uhr Ortszeit am Freitagmorgen stand das Ergebnis fest: Der Reform-UK-Chef holte 22.239 Stimmen und damit 63,3 Prozent, sein prominentester Herausforderer Count Binface kam auf 9.455 Stimmen und 26,9 Prozent. Die Mehrheit von 12.784 Stimmen bedeutet ein deutlich stärkeres Mandat als bei der Parlamentswahl 2024, als Farage den Wahlkreis mit 46,2 Prozent gewann.

Farage selbst wertete das Ergebnis in einer schriftlichen Erklärung als „überzeugenden, überwältigenden Sieg“. Persönlich erschien er nicht in der Auszählungshalle. Nach Angaben seiner Partei hatte die Essex Police ihm wegen einer „glaubwürdigen Drohung gegen ihn“ von der Teilnahme abgeraten, wie t-online berichtet. In seinem Statement betonte Farage, er habe „am heißesten Tag des Jahres, mitten im August in der Urlaubszeit, mit mehr Stimmen als bei der Nationalwahl 2024 gewonnen“.

Zweitplatzierter Count Binface - die Kunstfigur des Kabarettisten Jonathan Harvey - kommentierte den Ausgang trocken: „Ich bin der Wahlsieger unter den Kandidaten, die sich die Mühe gemacht haben zu erscheinen.“ Seine 26,9 Prozent sind laut der Auswertung der zuständigen Wahlbeobachter der höchste Stimmenanteil, den je ein Spaßkandidat bei einer britischen Parlamentswahl geholt hat. Der bisherige Rekord lag deutlich niedriger.

Ich bin der Wahlsieger unter den Kandidaten, die sich die Mühe gemacht haben zu erscheinen.
- Count Binface, nach der Auszählung

Boykott der Etablierten hinterlässt Spuren

Labour, Konservative, Liberaldemokraten und Grüne hatten die Nachwahl geschlossen boykottiert. Sie werteten Farages Rücktritt als Inszenierung, mit der der Reform-Chef die parlamentarische Untersuchung zu einer nicht deklarierten Spende von fünf Millionen Pfund aus Thailand überdecken wolle. Der Effekt war messbar: Die Wahlbeteiligung sank auf 44,4 Prozent, ein Rückgang von 14,3 Prozentpunkten gegenüber 2024. Von den 34 Kandidaten verloren am Ende 32 ihre Wahlkaution.

Das Rekordfeld hatte praktische Folgen. Der Stimmzettel wurde nach Angaben der Wahlleitung 90 Zentimeter lang, die Druckkosten lagen beim Vierfachen einer Standard-Wahlkarte. Neben Binface schafften nur John Stevens von Rejoin EU (1,4 Prozent) und zwei unabhängige Kandidaten überhaupt die Marke von einem Prozent.

Wie die taz analysiert, ist der Rückhol-Sieg für Farage politisch weniger triumphal, als die Prozentzahlen suggerieren. Die parlamentarische Untersuchung zur Spendenaffäre wird mit seiner Rückkehr ins Unterhaus wieder aufgenommen; im schlimmsten Fall droht eine Suspendierung und damit eine zweite Nachwahl. Zugleich hat Reform UK seit der Ernennung von Andy Burnham zum Premierminister an Umfragewerten eingebüßt - Labour liegt aktuell zwei Punkte vor Farages Partei.

Die Reaktion der Regierung war entsprechend zurückhaltend. Aus Downing Street gab es zunächst keine Stellungnahme. Schatzkanzlerin Rachel Reeves hatte den Rücktritt bereits im Juli mit einem Satz kommentiert, der in den britischen Medien nun wieder zitiert wird: „Wenn er den Sommer damit verbringen will, mit einem Mülleimer zu streiten, halte ich ihn nicht davon ab.“