FIFA-Präsident Gianni Infantino hat in der Nacht zum Samstag den Verkauf von WM-Kommerzrechten an private Investoren gestoppt. Damit endet das milliardenschwere Projekt „FIFA Forward Enterprise“ (FFE) 72 Stunden nach seiner Ankündigung, noch bevor über die Zustimmung der 211 Mitgliedsverbände abgestimmt werden konnte.
„Nach sorgfältiger Abwägung aller Standpunkte ist deutlich geworden, dass das Projekt zu einer Spaltung geführt hat, die, unabhängig vom Grad der Zustimmung, nicht mehr im Interesse des ursprünglich gesetzten Ziels ist“, zitierte die Berliner Zeitung aus Infantinos Erklärung. Der Zweck der FIFA sei „immer gewesen und wird immer sein, zu vereinen und zu verbessern“.
Wie der Plan in drei Tagen kippte
FIFA hatte das Modell am Dienstag, 29. Juli, vorgestellt. Über eine Tochtergesellschaft sollten private Investoren Minderheitsanteile an den Kommerzrechten des Weltverbandes erwerben, vor allem an der Weltmeisterschaft. Aus den Erlösen wollte die FIFA die Entwicklungszahlungen an ihre 211 Mitgliedsverbände von 8 auf 20 Millionen Dollar pro Vier-Jahres-Zyklus mehr als verdoppeln. Bis zum 19. September sollten die Verbände zustimmen.
Die Front der Ablehnung baute sich in Stunden auf. Die UEFA berief laut sportschau.de noch am 30. Juli eine Krisensitzung ein, einen Tag später drohten alle 55 europäischen Verbände geschlossen mit einem Boykott der nächsten Weltmeisterschaft, sollte die FIFA weitermachen. Der Vorgang sei „ebenso unverantwortlich wie nicht zu rechtfertigen“, hieß es aus Nyon. Der nord- und mittelamerikanische Kontinentalverband Concacaf lehnte das FFE-Projekt einstimmig ab, auch die AFC in Asien schloss sich der Kritik an.
Am 31. Juli trat Carlos Cordeiro zurück, langjähriger Chefberater Infantinos und früherer Präsident des US-Verbandes. Der Deal sei „ein schlechtes Geschäft für die FIFA-Mitglieder, schlecht für den Fußball“, begründete er seinen Schritt gegenüber US-Medien. Kurz darauf ging mit Operations-Chef Kevin Lamour eine weitere Führungsfigur aus der Zürcher Zentrale öffentlich auf Distanz zum Präsidenten.
Ein schlechtes Geschäft für die FIFA-Mitglieder, schlecht für den Fußball.
Weltpresse spricht von „totaler Niederlage“
International wird der Rückzug als schwerster Rückschlag in Infantinos Amtszeit gewertet. Von einer „totalen Niederlage“ schreibt die britische Daily Mail, der Guardian spricht von einem „spektakulären Scheitern“, die Schweizer Blick titelt, der Präsident „kuscht nach Aufstand“. Die spanische El País kommentiert, der Fußball habe „gegen externe Akteure gesiegt“, die Gazzetta dello Sport konstatiert, „die Vernunft hat sich durchgesetzt“.
In einer flankierenden Klarstellung hatte die FIFA bereits am Freitagmorgen um 3 Uhr Züricher Zeit betont: „Niemand verkauft den Fußball. Das ist nichts, was die FIFA jemals in Erwägung ziehen würde.“ Zu diesem Zeitpunkt lief die Krisenkommunikation aber bereits ins Leere, das Machtwort der Kontinentalverbände war gesetzt.
Für die Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko ist die Absage vor allem Schadensbegrenzung. Elf Monate vor Turnierbeginn hatte die Boykottdrohung der UEFA das Szenario eines Turniers ohne die europäischen Topnationen realistisch werden lassen. Infantinos Position steht turnusgemäß erst bei der Präsidentschaftswahl 2027 wieder zur Wahl. Ob die Idee kommerzieller Öffnung nach dem WM-Sommer in anderer Form wiederkehrt, ließ der Verband offen.