FIFA-Präsident Gianni Infantino hat am Freitagabend im Trump Tower an der Fifth Avenue neben US-Präsident Donald Trump gestanden, den goldenen WM-Pokal auf einem Sockel zwischen sich, und die zu Ende gehende Weltmeisterschaft als „das größte menschliche, soziale und kulturelle Ereignis, das die Menschheit je erlebt hat“ bezeichnet. Trump nannte das Turnier „das erfolgreichste Sportereignis, vielleicht der Weltgeschichte“ - so berichten es t-online und die Nachrichtenagentur AP übereinstimmend vom Empfang in Manhattan.

Bemerkenswert war weniger die Wortwahl als der Terminplan. Infantino sagte für den Auftritt bei Trump seine Teilnahme am „Fanatics Fest“ ab, dem offiziellen Fan-Event der FIFA, bei dem Spieler und Trainer beider Finalteams auftraten. Die Website Front Office Sports und Yahoo Sports werten den Verzicht als Signal an den WM-Gastgeber: Der FIFA-Chef stand lieber neben dem Präsidenten als neben den Protagonisten seines eigenen Turniers.

Trump lobte im Trump Tower die Entscheidung der FIFA, die Rotsperre des US-Stürmers Folarin Balogun kurz vor dem Viertelfinale gegen Belgien aufzuheben - „eine weitere seiner vielen guten Entscheidungen“, so der Präsident. Balogun hatte am 2. Juli 2026 im Gruppenspiel gegen Bosnien-Herzegowina Rot gesehen; nach einem von Trump selbst öffentlich eingestandenen Anruf beim FIFA-Chef wurde die üblicherweise mindestens zwei Spiele umfassende Sperre nach nur einer Partie in eine Bewährungsstrafe umgewandelt. Der belgische Fußballverband hatte die Entscheidung als „Aprilscherz“ bezeichnet.

Der American Dream, Mr. President, ist Wirklichkeit geworden. Wir haben die Welt vereint.
- Gianni Infantino, FIFA-Präsident, Trump Tower, 17. Juli 2026

Für die deutschsprachige Berichterstattung ist der Empfang ein weiterer Beleg für eine Nähe, die längst über sportpolitische Höflichkeit hinausgeht. Der Sportschau-Kommentator Chaled Nahar hatte die Aufhebung der Balogun-Sperre bereits Anfang Juli als „größten Skandal dieser WM“ eingeordnet und den Weltverband dafür kritisiert, sich Regeln „nach Trumps Regeln“ zurechtzubiegen. Die FIFA hat 2025 ein Büro im Trump Tower angemietet, Infantino begleitete den Präsidenten auf Staatsbesuchen nach Katar und Saudi-Arabien und sitzt in Trumps sogenanntem „Friedensrat“. Zur WM-Auslosung im Dezember überreichte die FIFA Trump außerdem einen eigens geschaffenen „Peace Prize“ - Trump nannte das eine der „größten Ehren meines Lebens“.

Ein Satz zu Mexiko und Kanada

Für Aufsehen sorgte im Trump Tower ein beiläufiger Satz des Präsidenten. Trump erklärte, er wolle, dass die USA erneut eine Weltmeisterschaft ausrichten, „dieses Mal aber ohne Mexiko und Kanada“ - gemeinsame Ausrichter der aktuellen WM. Ob als Scherz gemeint oder nicht, der Kommentar reiht sich ein in Monate der Reibung mit Mexiko-Stadt, Guadalajara und Monterrey, die sich in mehreren Streits mit dem Weißen Haus über Sicherheitskonzepte und Einreisebedingungen wiedergefunden hatten.

Auf dem Turnier hat der US-Präsident bereits beim Endspiel der Klub-WM 2025 gezeigt, wie sein WM-Auftritt aussehen dürfte: Nach der Pokalübergabe an Chelsea-Kapitän Reece James blieb Trump auf der Bühne, mitten im Jubelbild. Am Sonntagabend im MetLife Stadium wird er die Trophäe an Argentinien oder Spanien überreichen. Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez wird ebenso vor Ort erwartet, König Felipe VI. hat mit Königin Letizia und beiden Töchtern seinen Besuch bestätigt. Vor dem Anpfiff singt Jennifer Hudson die amerikanische Nationalhymne live - für ein WM-Finale ein Novum, aus dem Super Bowl vertraut.

Innerhalb der FIFA ist die Nähe des Präsidenten zu Trump nicht unumstritten. Die Nachrichtenagentur Front Office Sports berichtete unter Berufung auf Kongressmitglieder von einem Eklat bei einer Sitzung nach einem Trump-Treffen; Zeit-Online zitierte einen ranghohen Fußballfunktionär, der Infantino zum Rücktritt aufforderte. Öffentlich ausgesprochen hat die Kritik bislang niemand im Vorstand. Zwei Tage vor dem Anpfiff dominieren nicht die beiden Finalisten die Bilder aus New York, sondern zwei Männer neben einem goldenen Pokal.