Elf Tage nach dem WM-Finale in New Jersey steht der Weltverband vor der schwersten internen Zerreißprobe seit dem Sturz Sepp Blatters. FIFA-Präsident Gianni Infantino hat den 211 Mitgliedsverbänden am Dienstag den Plan vorgelegt, die kommerziellen Rechte an Weltmeisterschaft und Club-WM in eine neue Tochtergesellschaft namens FIFA Forward Enterprise (FFE) auszulagern. Bewertet wird der Ableger nach Angaben der FIFA mit 20 Milliarden US-Dollar, bis zu 4,2 Milliarden Dollar sollen von privaten Investoren eingesammelt werden, wie zuerst die Times of London berichtete und die FIFA in einer Stellungnahme bestätigte.

Als Ankerinvestor ist laut Time Magazine und Bloomberg der US-Fonds Thrive Eternal vorgesehen, ein 2026 gegründetes Vehikel des Thrive-Capital-Gründers Joshua Kushner. Kushner ist der Bruder von Jared Kushner, dem Schwiegersohn und Berater des US-Präsidenten Donald Trump. Federführend als Finanzberater agiert J.P. Morgan. Die Anteile sollen laut FIFA maximal 20 Prozent des Kapitals ausmachen und stimmrechtslos sein.

In Europa schlug der Vorstoß binnen Stunden in offene Ablehnung um. Die UEFA sprach von einer Linie, die die führenden Institutionen des Fußballs nie überschreiten dürften, und rief für diese Woche eine Sondersitzung ihres Exekutivkomitees ein. Nach Berichten von Sky, ESPN und Bloomberg wird dort auch ein Boykott der nächsten Weltmeisterschaft als Option geprüft.

Watzke: „Absoluter Angriff auf den Fußball“

Für den Deutschen Fußball-Bund meldete sich der neue Vize-Präsident und UEFA-Exekutivmitglied Hans-Joachim Watzke im Kicker zu Wort. „Viele im europäischen Fußball sehen die Pläne der FIFA als absoluten Angriff auf den Fußball an. Diese Haltung teile ich. Hier wird eine Grenze überschritten“, sagte Watzke. Der frühere BVB-Geschäftsführer verwies auf das sportliche Gewicht des Kontinents bei der zurückliegenden WM: „Bei der WM standen sechs europäische Teams im Viertelfinale und drei im Halbfinale. Wenn sich der europäische Fußball geschlossen gegen die Pläne wehrt, hat das sehr viel Gewicht.“

Rückendeckung erhielt die UEFA nach Angaben von Spox von den Kontinentalverbänden CONCACAF und AFC. Beide beklagten, ein derart weitreichender Vorstoß sei ohne die vorgesehene Konsultation der Mitgliedsverbände öffentlich geworden. Auch Ex-FIFA-Präsident Sepp Blatter meldete sich zu Wort: „Niemand hat das Recht, unser Spiel zu verkaufen“, ließ er Time zitieren.

September-Frist und 20-Millionen-Prämie

Infantino hat den Nationalverbänden nach Angaben von Forbes und Al Jazeera bis zum 19. September Zeit, dem Paket zuzustimmen. Als Anreiz stellt die FIFA ein einmaliges Zusatzbudget von 20 Millionen US-Dollar pro Verband für Infrastrukturprojekte in Aussicht, oben auf das regulär angehobene Fast-Forward-Programm, das die Grundförderung bis 2030 von acht auf 20 Millionen Dollar je Verband erhöhen soll. Kritiker im europäischen Lager werten die Frist und das Zusatzgeld als Druckmittel gegenüber kleineren Verbänden, die auf die FIFA-Zuwendungen angewiesen sind.

Für die deutsche Fußballpolitik ist die Debatte doppelt heikel. Der DFB, gerade dabei, die WM-Bewerbung für 2027 im Frauenfußball und die Klub-WM-Ausrichtung im eigenen Land zu koordinieren, muss sich zwischen europäischer Front und weltweiter Loyalität positionieren. Watzkes klare Absage in Richtung Zürich signalisiert, dass Verbandschef Bernd Neuendorf auf UEFA-Linie einschwenken dürfte, wenn Aleksander Ceferin seine Verbände zur Abstimmung ruft.