Lisandro Martínez und Giovani Lo Celso werden am Sonntag im WM-Finale gegen Spanien auflaufen dürfen. Die FIFA-Disziplinarkommission hat zwei Tage vor dem Endspiel im MetLife Stadium darauf verzichtet, die beiden Argentinier für das Zeigen eines Malvinas-Banners nach dem Halbfinale zu sperren. Eine FIFA-Sprecherin teilte den Medien mit, das Gremium bewerte „derzeit die Spielberichte und wäge die relevanten Umstände ab, bevor es über mögliche weitere Schritte auf Grundlage des FIFA-Disziplinarkodex entscheidet“.

Wie wir am Donnerstag berichteten, hatten Martínez und Lo Celso nach dem 2:1 gegen England das Transparent „Las Malvinas son argentinas“ in die Kameras gehalten und damit gegen den FIFA-Stadion-Verhaltenskodex verstoßen. Dieser untersagt „Banner, Fahnen, Flugblätter, Kleidungsstücke und andere Gegenstände politischer, beleidigender oder diskriminierender Natur“. Laut der britischen Ladbible wird eine Strafe erst nach Turnierende erwartet - für das Endspiel ändert sich nichts an der Startelf. Die Falkland-Inselregierung nannte das Banner „besonders unsensibel“ und hoffe, dass die FIFA „jegliches Verhalten dieser Art sanktioniert“.

Individuelle Sperren sind nach FIFA-Regularien theoretisch möglich, in diesem Fall aber angesichts des Verhältnismäßigkeitsprinzips unwahrscheinlich.
- Emile Merkt, Sportanwalt, gegenüber 20 Minuten

Sportrechtsexperten hatten diese Zurückhaltung erwartet. Emile Merkt sagte der Schweizer 20 Minuten, eine Sperre einzelner Spieler bleibe zwar möglich, sei aber unter Verhältnismäßigkeits-Gesichtspunkten unwahrscheinlich. Als Präzedenz zitiert das Portal die 30.000 Franken, die die FIFA 2014 gegen den argentinischen Verband AFA verhängt hatte, nachdem Spieler vor einem Testspiel gegen Slowenien mit dem gleichen Slogan posiert hatten. Auch nach dem Doppeladler-Jubel schweizerischer Nationalspieler bei der WM 2018 verhängte die FIFA nur Geldstrafen gegen die Einzelspieler, keine Sperren. Präsident Javier Milei hatte für den aktuellen Fall im Interview mit Radio Mitre eine Bußgeld-Größenordnung von rund 30.000 US-Dollar in Aussicht gestellt.

Zwischen Regelwerk und Ergebnis-Optik

Für die FIFA ist die Zurückhaltung auch strategisch. Eine Finalsperre kurz vor dem Endspiel hätte den Weltverband dem Vorwurf ausgesetzt, das Ergebnis manipuliert zu haben; ein völliger Verzicht auf Sanktionen wiederum stellt die eigene Regel gegen politische Botschaften auf dem Platz infrage. Der Kompromiss lautet nun: keine sportliche Konsequenz vor dem Anpfiff, formale Prüfung im Anschluss. Die britische Regierung hatte über Wirtschaftsminister Peter Kyle formal eine Untersuchung gefordert; Downing Street kommentierte am Donnerstag: „Der Weltmeistertitel gehört uns vielleicht nicht, die Falklandinseln aber ganz sicher.“

In Buenos Aires bleibt die Frage, ob die Startelf-Verantwortlichen den Vorgang für das Finale gegen Spanien noch einmal zum Thema machen. Trainer Lionel Scaloni hatte vor dem Halbfinale versucht, den Falklandkrieg vom Spielfeld zu trennen - eine Linie, die durch das Banner seiner Spieler öffentlich unterlaufen wurde. Anpfiff im MetLife Stadium in New York/New Jersey ist am Sonntag um 21 Uhr MESZ. Das ZDF überträgt live. Die Disziplinarentscheidung der FIFA wird nach übereinstimmenden Berichten frühestens in der Woche nach dem Turnier erwartet.