Die FIFA hat eine Stellungnahme des australischen Video-Schiedsrichters Shaun Evans angefordert. Hintergrund ist eine TV-Einstellung aus dem VAR-Raum während des deutschen WM-Auftakts gegen Curaçao am Samstag im NRG Stadium von Houston, die das Antidiskriminierungsnetzwerk Fare am Sonntagabend öffentlich machte. Zu sehen ist Evans, der mit Daumen und Zeigefinger einen Kreis bildet - die Hand allerdings nach unten gedreht. Fare wertet die Geste als auf den Kopf gestelltes „OK“-Zeichen und damit als Symbol, das in rechtsextremen Kreisen für „White Power“ steht. Der Weltverband bestätigte am Montag, das Material zu prüfen.
„Nach Einschätzung unserer Experten ähnelt die verwendete Geste eindeutig einem auf den Kopf gestellten ‚OK'-Zeichen, das in rechtsextremen Kreisen weltweit als Symbol für ‚White Power' verwendet wird“, erklärte Fare in einer am Sonntag verbreiteten Stellungnahme, die unter anderem Tagesspiegel und Sport1 zitieren. Das Netzwerk fordert die FIFA auf, Evans für den weiteren Turnierverlauf zu sperren: „Es ist klar, dass dieser Offizielle bei dieser WM keine weitere Rolle mehr spielen sollte.“ Die FIFA reagierte gegenüber englischsprachigen Medien mit der Mitteilung, sie habe „den Vorfall zur Kenntnis genommen“ und eine Erklärung eingefordert. Eine darüber hinausgehende Stellungnahme lehnte der Verband am Montag ab.
Es ist klar, dass dieser Offizielle bei dieser WM keine weitere Rolle mehr spielen sollte.
Was die Geste tatsächlich bedeutet
Die Deutung des Zeichens ist nicht eindeutig. Die US-amerikanische Anti-Defamation League listet das umgekehrte OK-Zeichen zwar seit 2019 als Symbol, das in rechtsextremen Kreisen verwendet wird - weist aber zugleich darauf hin, dass die Geste mehrdeutig sei und auch im harmlosen Kontext eines verbreiteten Internetspiels („Circle Game“) verwendet werde. Sport1 und t-online betonen in ihren Berichten, dass die Aufnahmen keinen eindeutigen Schluss zulassen. Apollo News kritisierte die Schnellinterpretation durch Fare und verwies darauf, dass Evans seit Jahren auf internationaler Ebene pfeife, ohne dass entsprechende Vorwürfe je laut geworden seien.
Was die FIFA jetzt zu klären hat
Evans, 49, war beim Spiel der deutschen Mannschaft als Video Assistant Referee im Einsatz, geleitet wurde die Partie auf dem Platz vom argentinischen Schiedsrichter Facundo Tello. Der Australier gehört seit 2013 zum FIFA-Kader und pfiff unter anderem bei der WM 2022 in Katar. Wie web.de berichtet, will der Weltverband nach der Anhörung über mögliche Konsequenzen entscheiden. Vor dem Hintergrund der ohnehin aufgeladenen Debatte um die Vergabe der WM an Saudi-Arabien für 2034 und die Menschenrechtsbilanz des Turniers ist der Druck auf die FIFA, eine sichtbare Aufklärung zu liefern, beträchtlich. Eine Entscheidung wird in den kommenden Tagen erwartet - vor dem zweiten deutschen Gruppenspiel gegen die Elfenbeinküste am Samstag in Toronto.