Einen Tag nach dem 1:0 der Spanier im MetLife Stadium hat die FIFA-Disziplinarkommission am Montag ein Verfahren gegen die argentinische Auswahl eingeleitet. Anlass sind die Szenen nach dem Schlusspfiff, in denen Leandro Paredes, Nahuel Molina und Co-Trainer Roberto Ayala nach Angaben mehrerer spanischer und deutscher Medien handgreiflich wurden. Der Weltverband bestätigte den Schritt in einer knappen Mitteilung, ohne einzelne Spieler namentlich zu nennen, wie Sport1 und Watson berichten.
Auslöser waren die Sekunden nach der 106. Minute, in der Ferran Torres in der Verlängerung das entscheidende Tor erzielt hatte. Als der slowenische Schiedsrichter Slavko Vincic das Spiel abpfiff, ging Paredes laut orf.at zunächst auf Spaniens Eric Garcia zu und schubste ihn, danach packte er Pau Cubarsí-Vertreter Gavi am Trikot, traf ihn im Gesicht mit der Hand und riss ihn zu Boden. Vincic zeigte dem Argentinier daraufhin die Rote Karte, nachdem Paredes bereits während der Verlängerung an der Grenze zum Feldverweis agiert hatte. Nahuel Molina soll Spaniens Kapitän Rodri einen Schlag gegen die Brust versetzt haben, Co-Trainer Ayala laut sport.orf.at Dani Olmo attackiert haben.
Man hat gesehen, dass die Argentinier schlechte Verlierer sind. Ich als grosser Fan von Argentinien war nicht nur sportlich enttäuscht, sondern vor allem über ihr Verhalten.
Bereits während der regulären Spielzeit hatte Argentinien einen Feldverweis kassiert. Enzo Fernandez sah in der dritten Minute der Nachspielzeit die Gelb-Rote Karte, nachdem er an der Mittellinie zu spät gekommen war und Cubarsí umgerissen hatte, wie die Sportschau beschreibt. In Unterzahl fiel dann in der 106. Minute das Tor von Torres. Fernandez ist damit erst der sechste Spieler in der WM-Historie, der in einem Endspiel vom Platz musste, wie ran unter Berufung auf die FIFA-Statistik meldete.
Welche Strafen im Raum stehen
Nach der Grundregel der FIFA-Disziplinarordnung liegt die Mindeststrafe für Tätlichkeiten bei drei Spielen Sperre. Watson zitiert Regelwerks-Auslegungen, wonach die FIFA das Strafmass hochsetzen könnte, weil die Vorfälle nach Abpfiff eines Endspiels und vor laufenden Kameras stattfanden. Weil das nächste Pflichtspiel Argentiniens die Qualifikationsphase zur Copa América 2028 sein dürfte, würden Sperren allerdings kaum vor Herbst 2026 greifen. Für Paredes wäre eine mehrfache Sperre besonders bitter, weil er 2028 mit Ende dreissig auf ein womöglich letztes Turnier hinsteuert.
Argentinien-Trainer Lionel Scaloni reagierte am Sonntagabend zurückhaltend. „Wir waren gute Sieger und müssen auch gute Verlierer sein", sagte er nach Angaben von TV Movie im Rahmen seiner später abgebrochenen Pressekonferenz. „Heute haben wir gezeigt, dass wir auch verlieren können. Wir haben das Spiel verloren und akzeptieren das." Eine öffentliche Entschuldigung des Verbandes oder einzelner Spieler blieb bis Montagabend aus. Aus dem spanischen Lager berichtete Marca, Verteidiger Nicolas Otamendi habe Rodri direkt nach dem Schlusspfiff angeschrien, er habe „die ganze Woche geheult" - eine Anspielung auf Beschwerden Rodris und Aymeric Laportes über frühere Fouls der Albiceleste im Turnier.
Für Argentinien kommt das Verfahren zur Unzeit. Am Sonntag hatte die FIFA bereits einen weiteren Fall geöffnet, nachdem Giovani Lo Celso im Halbfinale gegen England ein Banner mit der Aufschrift „Las Malvinas son argentinas" hochgehalten hatte - eine politische Botschaft, die nach Artikel 11 der Disziplinarordnung verboten ist. Beide Verfahren laufen parallel. Über etwaige Sanktionen entscheidet die Disziplinarkommission nach Sichtung der Schiedsrichter- und TV-Aufnahmen, ein Zeitrahmen wurde nicht genannt.