Zwei Tage vor dem WM-Finale zwischen Argentinien und Spanien steht die FIFA nicht wegen des Sports in den Schlagzeilen, sondern wegen ihres Ticketverkaufs. Das Landgericht Frankfurt erließ am Freitag eine einstweilige Verfügung gegen den Weltverband und untersagte ihm, bestimmte Gestaltungen des Kaufprozesses gegenüber Verbrauchern in Deutschland fortzuführen. Antragstellerin war die Berliner Zweitmarktplattform Ticombo GmbH, wie mehrere deutsche Redaktionen unter Berufung auf das Gericht berichten.

Ticombo wirft der FIFA nach dem Bericht der Sportschau manipulative Vergabeverfahren vor: künstlicher Zeitdruck im Kaufablauf, intransparente Anbieter im offiziellen Wiederverkaufsportal und Preisangaben, die im Bezahlvorgang nach oben ausschlagen. Nach Darstellung der WM-2026-Berichterstattung untersagte das Gericht der FIFA unter anderem, Tickets mit einem Einstiegspreis zu bewerben, die tatsächlich nur zu einem deutlich höheren Preis zu haben waren - konkret genannt wird ein Fall, in dem ein Angebot ab 1.745 Dollar im weiteren Kaufverlauf auf 8.995 Dollar hochsprang. Bei Zuwiderhandlung drohen laut Sportschau ein Ordnungsgeld von bis zu 250.000 Euro je Verstoß oder Ordnungshaft bis zu sechs Monaten, adressiert an FIFA-Präsident Gianni Infantino und Generalsekretär Mattias Grafström persönlich. Die FIFA war zum Verhandlungstermin nicht erschienen; Widerspruch ist möglich.

26 Tickets, bis zu 32.970 Dollar

Der Streit trifft die FIFA in einer Phase, in der ihre Preisgestaltung auch ohne Gerichtsverfügung außergewöhnlich sichtbar ist. Am Freitagnachmittag standen im offiziellen FIFA-Shop laut Sportschau noch 26 Karten für das Endspiel im MetLife Stadium zum Verkauf: die beiden günstigsten für 17.995 Dollar, die überwiegende Mehrheit für 29.995 Dollar, die drei teuersten regulären Tickets für 32.970 Dollar. Auf dem hauseigenen Zweitmarkt kassiert die FIFA nach eigenen Angaben eine Provision von 15 Prozent - vom Käufer wie vom Verkäufer. Reguläre Fans sind aus dem Endspiel damit weitgehend herausgepreist.

Die FIFA arbeitet bei diesem Turnier erstmals mit Dynamic Pricing, also einer nachfrageabhängigen Preisanpassung. Nach Berechnungen der Sportschau liegt der Preis für ein vergleichbares Endspielticket rund fünfundzwanzigmal höher als der inflationsbereinigte Durchschnitt der WM-Endspiele zwischen 1994 und 2022. Angepeilt sei eine Verdreifachung der Ticketeinnahmen gegenüber der WM 2022 in Katar.

FIFA hat den Kauf eines WM-Tickets in ein Labyrinth aus Verwirrung, künstlicher Verknappung und unmöglich hohen Preisen verwandelt.
- Jennifer Davenport, Generalstaatsanwältin von New Jersey

Ermittlungen in New York, Beschwerde in Brüssel

Die Frankfurter Entscheidung reiht sich in eine Kette laufender Verfahren ein. In New Jersey und New York haben die Generalstaatsanwältinnen Jennifer Davenport und Letitia James die FIFA bereits im Mai per Subpoena zur Herausgabe interner Unterlagen verpflichtet und ermitteln unter anderem zu nachträglich eingezogenen „Front Categories", zu denen frühere Käufer keinen Zugang mehr erhielten. Zwischen Oktober 2025 und April 2026 seien die Preise für mehr als 90 der 104 WM-Partien im Schnitt um 34 Prozent gestiegen, teilte die New Yorker Behörde damals mit. Die Fanorganisation Football Supporters Europe und der Verbraucherdachverband Euroconsumers haben zudem eine formelle Beschwerde bei der EU-Kommission wegen Missbrauchs einer marktbeherrschenden Stellung eingereicht. Das EU-Parlament hat Kommission und Mitgliedstaaten aufgefordert, ein Verbot dynamischer Preise bei Sport- und Kulturveranstaltungen zu prüfen.

Die UEFA hat den Kontrast bereits programmiert. Der europäische Verband kündigte an, bei der EM 2028 auf Dynamic Pricing zu verzichten und mehr als 40 Prozent aller Tickets zu Preisen von 30 und 60 Euro anzubieten. Die einstweilige Verfügung aus Frankfurt wird das Endspiel am Sonntag um 21 Uhr MESZ nicht mehr verändern - sie legt aber fest, dass die FIFA ihren deutschen Fans die Ticket-Systeme künftig nicht mehr so verkaufen darf wie in diesem Sommer.