Johan Eliasch ist nicht mehr Präsident des Ski-Weltverbands FIS. Beim Kongress in Belgrad wählten die Delegierten am Donnerstag den 58-jährigen Liechtensteiner Alexander Ospelt mit 65:64 Stimmen an die Spitze des Verbands. Eine einzige Gegenstimme reichte, um den Schweden-Briten nach knapp fünf Jahren aus dem Amt zu drängen.
Ospelt, hauptberuflich Anwalt in Vaduz und von 2016 bis 2023 Präsident des Liechtensteinischen Skiverbands, übernimmt die FIS für die nächsten vier Jahre. Nach der Auszählung sagte er den Delegierten laut sportschau.de: „Wir sind alle die FIS. Ich werde der Präsident für Sie alle sein“. Eliasch reagierte gefasst auf die Niederlage. „Ich habe immer gesagt, dass dies eine Win-Win-Entscheidung für mich ist. Entweder bekomme ich mein Leben zurück oder ich gewinne die Wahl“, wurde er nach dem Kongress zitiert.
Beim Deutschen Skiverband fiel die Reaktion deutlich aus. Stefan Schwarzbach, DSV-Vorstandsmitglied, erklärte gegenüber der Sportschau, der Verband empfinde nach dem Votum „vor allem Hoffnung“. Die deutsche Delegation hatte gemeinsam mit den Verbänden aus der Schweiz, Österreich und Norwegen eine breite Opposition gegen Eliasch gebildet. Vorgeworfen wurden ihm „ungenügende Kommunikation, Transparenz und Kompromissbereitschaft“, wie die Sportschau zusammenfasste. Unter seiner Führung war das Verbandsvermögen laut den Kritikern von rund 130 auf 43 Millionen Schweizer Franken geschrumpft.
Dieser jahrelange Alptraum ist vorbei. Wir glauben, dass viele heute einfach tief durchatmen.
Druck der Athleten und ein Georgien-Manöver
Den entscheidenden Verfahrensschritt erzwang Swiss-Ski. Nach technischen Pannen bei einer elektronischen Probeabstimmung forderte Co-CEO Diego Züger eine Papierwahl, der Antrag fand laut 20minuten eine deutliche Mehrheit. Parallel hatten in den Wochen vor dem Kongress Athleten wie Marco Odermatt und Mikaela Shiffrin öffentlich Druck aufgebaut. Shiffrin warf der FIS-Spitze in einem Interview mit der Agentur AP einen „erheblichen Mangel an Transparenz“ vor, Odermatt sah „kaum eine andere Wahl, als eine Veränderung herbeizuführen“. Im Zentrum der Athletenkritik standen ein von Eliasch versprochener, aber nicht umgesetzter rückwirkender Preisgeld-Aufschlag von 20 Prozent und die Umstellung der Auszahlungen vom Schweizer Franken auf den schwächeren Euro.
Auf den Wahlzettel hatte es Eliasch nur knapp geschafft. Schweden und Großbritannien, die den Unternehmer bislang nominiert hatten, zogen ihre Unterstützung zurück. Eliasch nahm daraufhin nach Berichten der Sportschau die georgische Staatsbürgerschaft an und trat für den georgischen Verband an. Den Vorwurf einer schlechten Finanzlage hatte er bis zuletzt zurückgewiesen und auf neue Vermarktungsverträge verwiesen.
Für Ospelt beginnt damit die Aufgabe, eine gespaltene Verbandslandschaft zusammenzuführen. Schon vor dem Olympiawinter 2027/28 stehen Entscheidungen über den Weltcup-Kalender, neue Vermarktungsverträge und das Verhältnis zu den Ausrüstern an. Beim DSV gibt man sich dazu vorsichtig optimistisch. Schwarzbach: „Mit nur einer Stimme Vorsprung - knapper hätte es kaum sein können.“