Eine Boeing 737 MAX 8 der Fluggesellschaft Flydubai ist am Mittwochmorgen auf dem Weg von Dubai nach Tel Aviv nach einem gewaltsamen Zwischenfall im Cockpit im saudi-arabischen Tabuk notgelandet. Nach übereinstimmenden Berichten von Al Jazeera, CNN und dem österreichischen Fachportal Austrian Wings war Flug FZ1073 mit 174 Passagieren an Bord, darunter 27 Kinder, in Reiseflughöhe unterwegs, als der Transponder erst den allgemeinen Notfallcode 7700 und wenig später 7500 sendete - das Signal für eine unerlaubte Übernahme des Flugzeugs.

Die Boeing verlor binnen kürzester Zeit rund 17.000 Fuß Höhe. Nach Daten von Flightradar24 sackte die Maschine von etwa 34.000 auf rund 17.000 Fuß ab, wie CNN und die Stuttgarter Zeitung berichteten. Zwei nicht-diensthabende Piloten unter den Passagieren griffen im Cockpit ein, brachten das Flugzeug unter Kontrolle und leiteten die Notlandung ein. Israel schickte Kampfjets zum Abfangen der Maschine, bevor sie um 6:45 Uhr Ortszeit sicher in Tabuk aufsetzte.

Flydubai bestätigte am Mittwoch in einer Mitteilung, es habe „eine Konfrontation im Cockpit des Fluges“ gegeben. „Die Besatzung, die das Flugzeug bediente, konnte die Lage unter Kontrolle bringen, den Flug umleiten und die Maschine sicher am Flughafen in Tabuk landen“, hieß es in der Erklärung, die unter anderem Euronews zitierte. Beide Piloten wurden verletzt in ein Krankenhaus gebracht. Passagiere blieben nach Angaben der Airline unverletzt.

Netanjahu spricht von versuchtem Anschlag

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu berief am Mittwoch eine Krisensitzung mit Verteidigungsminister Israel Katz ein. Israelische Sicherheitskreise werten den Vorfall inzwischen als versuchten Terroranschlag, wie unter anderem Al Jazeera und die Stuttgarter Zeitung berichteten. Nach Darstellung Netanjahus habe ein Pilot versucht, „das Flugzeug zum Absturz zu bringen“ und den anderen Piloten dabei mit einem Messer schwer verletzt. Der mutmaßliche Angreifer befinde sich in saudi-arabischem Gewahrsam.

Eine schwere Katastrophe konnte verhindert werden.
- Regierungsvertreter in Jerusalem, zitiert bei der Stuttgarter Zeitung

In deutschen Medien wird der Zwischenfall mit dem Germanwings-Absturz vom März 2015 verglichen, als Co-Pilot Andreas Lubitz einen Airbus A320 gezielt in den französischen Alpen zerschellen ließ und 150 Menschen tötete. Anders als damals konnten in der Boeing über Nordsaudi-Arabien Besatzung und mitfliegende Piloten den Angreifer überwältigen. Ein Passagier schilderte dem israelischen Sender Channel 12, im Cockpit sei „Blut gewesen und die Männer, darunter auch Israelis, hätten den Angreifer überwältigt“, wie mehrere deutsche Blätter aus dem Bericht zitierten.

Die Maschine mit dem Kennzeichen A6-FKF ist nach Angaben von Austrian Wings derzeit nicht mehr flugtauglich - das Höhenleitwerk wurde beim Sturzflug beschädigt, weil die zulässige Höchstgeschwindigkeit um fast 100 Knoten überschritten wurde. Für die 174 Passagiere schickte Flydubai eine Ersatzmaschine, die sie am Nachmittag nach Dubai zurückbrachte. Die genaue Motivlage des Angreifers ist bislang unklar. Sowohl saudi-arabische als auch israelische Ermittler haben Untersuchungen aufgenommen.