Die Fox Corporation übernimmt den Streaming-Plattformbetreiber Roku für rund 22 Milliarden Dollar. Das Medienunternehmen von Lachlan Murdoch teilte am Montag mit, Roku-Aktionären 160 Dollar je Anteil zu bieten - 96 Dollar in bar und 0,9693 neue Fox-Class-A-Aktien. Nach Abschluss der Transaktion sollen die bisherigen Fox-Eigentümer rund 73 Prozent, die Roku-Aktionäre 27 Prozent am neuen Konzern halten. Der Deal soll im ersten Halbjahr 2027 vollzogen werden, vorbehaltlich der Zustimmung von Behörden und Aktionären.
Murdoch begründete den Schritt als logische Fortsetzung der seit Jahren verfolgten Konzernstrategie. „This is a defining moment for FOX, and a natural extension of the deliberate and focused strategy we have been executing for nearly a decade“, sagte der Vorstandsvorsitzende in der Pressemitteilung. „Today, we take the next step: bringing together the most valuable live content portfolio in video consumption with the preeminent streaming platform through which America watches it.“ Fox liefert Sport, Nachrichten und Unterhaltung; Roku ist mit über 100 Millionen Haushalten die mit Abstand größte Connected-TV-Plattform der USA.
Das ist ein definierender Moment für FOX und eine natürliche Fortsetzung der Strategie, die wir seit fast einem Jahrzehnt verfolgen.
Wall Street reagiert geteilt
Die Märkte quittierten die Ankündigung mit deutlich gemischten Vorzeichen. Die Fox-Class-B-Aktie verlor laut Goldesel rund 15,7 Prozent auf 49,66 Dollar, während Roku-Aktien nach einer 20-Prozent-Rallye in den Tagen vor der Bekanntgabe um etwa 1,7 Prozent auf 141,29 Dollar nachgaben. Anleger zweifeln vor allem an der Schuldenbelastung: Fox hat eine Brückenfinanzierung über 12 Milliarden Dollar mit Morgan Stanley vereinbart, die Pro-forma-Verschuldung soll bei 2,8-facher EBITDA liegen. Synergien von 400 Millionen Dollar jährlich seien zur Hälfte bereits eingepreist, heißt es im Deal-Memo.
Roku-Gründer und CEO Anthony Wood stellte den Verkauf in einem internen Schreiben als Chance dar, das Wachstum zu beschleunigen. „I'm incredibly proud of what our team has built and the combination with Fox is an extraordinary opportunity to accelerate our vision, scale faster and innovate more aggressively for viewers, partners and advertisers“, wird Wood von Variety und Hollywood Reporter zitiert. Roku werde innerhalb des Konzerns als eigenständige, offene Plattform geführt, also weiter Inhalte anderer Anbieter wie Netflix oder Disney distribuieren.
Was das für deutsche Werbekunden bedeutet
Roku ist in Deutschland nur eine Randerscheinung; die hiesigen Connected-TV-Werbemärkte werden von Samsung, LG und Magenta TV dominiert. Relevant wird der Deal für deutsche Werbekunden vor allem, wenn sie im US-Markt aktiv sind: Mit der kombinierten Reichweite und den First-Party-Daten von Fox plus Roku entsteht laut Branchenanalysen der drittgrößte Werbeträger des US-Fernsehmarkts. Sportübertragungen wie die NFL, die WWE oder ab 2026 die NHL können künftig direkt auf den Roku-Geräten beworben werden - inklusive Tracking auf Haushaltsebene. Ob die US-Wettbewerbsbehörden den Deal in der vorliegenden Form durchwinken, gilt unter Branchenkennern als offen.