Francesco Guccini ist tot. Der italienische Cantautore starb am Donnerstag im Alter von 86 Jahren in seinem Haus im toskanischen Pavana, wie seine Familie in einer Erklärung mitteilte. An seinem Sterbebett waren seine Frau Raffaella und seine Tochter Teresa. Die Beisetzung findet auf Wunsch des Sängers im engsten Kreis statt, ein öffentlicher Gedenkakt ist für September vorgesehen.
Der Tod des Songwriters, der die italienische Nachkriegsgesellschaft mehr als ein halbes Jahrhundert lang besungen hatte, löste in Rom eine seltene Szene aus: Als am Nachmittag PD-Fraktionschefin Chiara Braga die Nachricht in der Camera dei Deputati verlas, erhob sich das Plenum zu langem Applaus, berichtete der Sender Sky TG24. Parteichefin Elly Schlein würdigte Guccini als eine Stimme der Ausgegrenzten. Mit Gitarre und Worten habe er „die Ungerechtigkeiten, Träume, die Wut und die Hoffnungen unseres Landes“ erzählt, so Schlein.
Con la scomparsa di Francesco Guccini perdo un amico che solo qualche settimana fa sono andato a trovare.
Auch der frühere Ministerpräsident Romano Prodi meldete sich zu Wort. Er habe Guccini vor wenigen Wochen noch besucht, zitierte ihn die römische Zeitung Il Messaggero: Mit dem Tod des Cantautore verliere er einen Freund. Musikerkollegen reagierten nicht anders. Gianni Morandi schrieb, ein „wahrer Dichter“ sei gegangen, Vasco Rossi nannte Guccini gegenüber Sky TG24 den „großen Meister“, während er selbst zeitlebens der Lehrling geblieben sei.
„La locomotiva“ und die Chronik eines Landes
Geboren am 14. Juni 1940 in Modena, verbrachte Guccini seine Kindheit während des Zweiten Weltkriegs im Apenninen-Dorf Pavana, in das er im Alter zurückkehrte. 1960 zog er nach Bologna, der Stadt, die zum Fixpunkt seines Werks wurde. Sein Debütalbum „Folk beat n. 1“ erschien 1967, der Durchbruch gelang ihm mit „Radici“ (1972), gefolgt von „Via Paolo Fabbri 43“ (1976) und „Amerigo“ (1978). Songs wie „La locomotiva“ - das Porträt eines anarchistischen Lokomotivführers, der einen Zug in den bewaffneten Aufstand lenkt -, „Dio è morto“ oder „Auschwitz“ gehören zum Kanon der italienischen canzone d’autore und werden bis heute in Schulen behandelt.
Guccini bezeichnete sich selbst als linksstehend, aber nicht als Kommunisten, näher am Anarchismus als an einer Partei. Politik betrieb er über die Geschichten kleiner Leute - Eisenbahner, Emigranten, Studenten, Landarbeiter. Zwischen 1965 und 1985 unterrichtete er zudem am Bologneser Standort des amerikanischen Dickinson College italienische Sprache, später schrieb er gemeinsam mit dem Bologneser Autor Loriano Macchiavelli Kriminalromane. Die Universität Bologna verlieh ihm 2002 die Ehrendoktorwürde, 2004 folgte der Verdienstorden der Italienischen Republik. Sein letztes Studioalbum „Canzoni da osteria“ erschien 2023, zeitgleich mit einer Neuaufnahme von „Bella Ciao“, die er gemeinsam mit der Sängerin Tosca einspielte.
Der öffentliche Gedenkakt im September werde an einem noch nicht bekanntgegebenen Ort in Bologna stattfinden, hieß es aus dem Umfeld der Familie. Bis dahin, so die Erklärung, wolle man um Ruhe für diesen Moment der Trauer bitten.