Kylian Mbappé hat Frankreich mit einem Elfmeter in der 70. Minute ins Viertelfinale der Fußball-Weltmeisterschaft geschossen. Beim knappen 1:0 gegen Paraguay am Samstagabend im Lincoln Financial Field in Philadelphia setzte sich der zweifache Weltmeister gegen einen tief stehenden Außenseiter erst nach VAR-Eingriff durch. Wie wir am Mittwoch berichteten, war Deschamps mit klarer Favoritenrolle nach Pennsylvania gereist - am Ende hing der Einzug an einer einzigen Szene.

Der entscheidende Moment fiel in der 66. Minute: Diego Gómez brachte den eingewechselten Désiré Doué im Strafraum zu Fall, Schiedsrichter Ilgiz Tantashev sah zunächst nichts, entschied nach Ansicht der Bilder aber auf Strafstoß. Mbappé verlud Torwart Roberto Junior Gill klassisch und schob rechts unten ein, es war sein siebter Turniertreffer, wie der Kicker in seinem Liveticker notierte. Der Franzose blieb in der Nachspielzeit an Gill hängen und ließ noch zwei Großchancen zum 2:0 liegen.

Das Ausscheiden Deutschlands war kein Zufall, aber wir sind nicht Deutschland.
- Didier Deschamps vor dem Spiel auf der FIFA-Pressekonferenz

Bis zum Elfmeter hatte die Partie das getan, was Gustavo Alfaros Paraguay im gesamten Turnier ausgezeichnet hat: verteidigen, foulen, den Ball weit vom eigenen Tor halten. Die Südamerikaner ließen Frankreich 77 Prozent Ballbesitz, standen mit Fünferkette gegen die französische Offensive und provozierten mit Nickligkeiten. Matías Galarza traf Mbappé mit einem scheinbar bewussten Schlag, sah dafür allerdings keine Rote Karte. Auf französischer Seite kassierten Bradley Barcola (19.), Manu Koné (82.) und Michael Olise (90.) Gelb.

37 Grad im Lincoln Financial Field

Über allem lag die Hitze. Im nicht klimatisierten Stadion in Philadelphia zeigten die Thermometer um 17 Uhr Ortszeit rund 37 Grad Celsius, die von der FIFA angeordnete Trinkpause wurde in beiden Halbzeiten ausgeschöpft. Alfaro hatte bereits vor Anpfiff auf der Pressekonferenz gesagt, sein Team werde „aus der Not heraus“ operieren - genau so lief die Partie: Enciso, Almirón und der eingewechselte Gabriel Ávalos kamen kaum zu Abschlüssen, das Chancenverhältnis war einseitig, aber ohne die klassischen Frankreich-Kombinationen aus der Vorrunde.

Deschamps hatte im Vergleich zum 3:0 gegen Schweden nur eine Änderung vorgenommen: Manu Koné rückte für Aurélien Tchouaméni in die Startelf. Alfaro tauschte gegenüber dem Elfmeterkrimi gegen Deutschland auf drei Positionen und brachte Omar Alderete sowie Diego Gómez zurück. Der Plan der Paraguayer, ein zweites Foxborough zu erzwingen, ging bis zum Foul in der 66. Minute auf.

Marokko im Viertelfinale

Im Viertelfinale trifft Frankreich nun auf Marokko, das sich zeitgleich in Toronto mit 3:0 gegen Kanada durchgesetzt hat. Es ist die Neuauflage des Halbfinales von Katar 2022, damals gewann Deschamps' Elf mit 2:0. Der Anpfiff des Duells ist für kommenden Freitag angesetzt, den genauen Spielort gibt die FIFA an diesem Sonntag bekannt. Für Paraguay endet ein Turnier, in dem sich die Albirroja unter Alfaro von der abgeschriebenen Gruppendritten zum meistbewunderten Außenseiter dieser WM entwickelt hat.