East Rutherford. Frankreich hat sein WM-Auftaktspiel gegen Senegal am Dienstag im MetLife Stadium mit 3:1 (0:0) gewonnen, doch der Verlauf war ein anderer als erwartet. Vor 80.545 Zuschauern dominierten zunächst die Senegalesen, ehe Kylian Mbappé das Spiel in der zweiten Halbzeit drehte. Wie wir am Mittag berichteten, war Frankreich mit dem 2002er Trauma gegen denselben Gegner ins Turnier gegangen; am Ende rettete sich der Titelfavorit dank eines doppelten Mbappé, der mit seinen Treffern in der 66. und der 96. Minute auch noch zum französischen Rekordtorschützen aufstieg.

Den 58. Treffer im 99. Länderspiel feierte Frankreichs Kapitän mit einem 30-Meter-Schuss in der Nachspielzeit, der laut Sportschau Mbappés „Magie“ über den wackeligen Auftritt der Equipe Tricolore stellte. Vor ihm hatte Olivier Giroud die Bestmarke mit 57 Toren gehalten, jetzt liegt Mbappé mit 27 Jahren allein an der Spitze. Auf der WM-Liste sind es 14 Treffer; Miroslav Klose, deutscher Allzeit-Rekordhalter mit 16, ist in Reichweite. „Mit nur 27 Jahren! Kylian Mbappé neuer Rekordtorschütze“, überschrieb SPOX seine Bilanz.

Wir haben noch nicht voll losgelegt.
- Kylian Mbappé nach dem Spiel, zitiert von Sportschau

Den Spielverlauf rettete Frankreich erst nach der Pause. In der ersten Halbzeit, schrieb watson, sei dem Team von Didier Deschamps „gar nichts“ gelungen. Senegal hätte führen müssen: Nicolas Jackson traf in der 25. Minute nur den Pfosten, Ismaïla Sarr vergab freistehend kurz vor der Halbzeit. Deschamps musste Mbappé nach einem defensiven Fehler an der Mittellinie sichtbar zurechtweisen. Erst Mbappés Führungstreffer nach einem Pass von Michael Olise löste die Blockade, ein annulliertes Senegal-Tor von Jackson kurz darauf war der nächste Wendepunkt. Bradley Barcola schob in der 82. Minute zum 2:0 ein, ehe Ibrahim Mbaye in der 95. Minute auf 2:1 verkürzte. Sekunden später schloss Mbappé per Weitschuss zum 3:1 ab.

Pape Thiaw gratuliert, Mbappé peilt das Finale an

Senegals Trainer Pape Thiaw verzichtete nach dem Schlusspfiff auf Ausflüchte. „Wir müssen ihnen zum Sieg gratulieren“, sagte er laut Sportschau. Vor dem Spiel hatte er gegenüber tipico und der FIFA angekündigt, das Spiel werde auf dem Platz und nicht in der Vergangenheit entschieden; auf dem Platz verloren seine Lions trotz starker erster Halbzeit den Faden, als Frankreich nach der Pause das Tempo erhöhte. Mbappé wiederum richtete den Blick nach vorne: „Ich will bis ins Finale“, sagte er, zitiert von Sportschau, und schob nach: „Wir haben noch nicht voll losgelegt.“ Beobachter sahen das ähnlich. Eurosport monierte einen umstrittenen Zweikampf zwischen Sadio Mané und Mbappé, der nach Lesart französischer Medien Elfmeter hätte werden müssen; abgepfiffen wurde nicht.

In Gruppe I übernimmt Frankreich damit vorerst die Führung. Am Mittwoch trifft Norwegen im Gillette Stadium auf den Irak; Erling Haaland gibt sein WM-Debüt. Für Frankreich gilt nach diesem Abend: Die Leistung war für 45 Minuten dünn, doch Mbappé reichte. Was Deschamps abends in der Mixed Zone nicht hören wollte, schickte sein Kapitän gleich nach: ein Versprechen, das in dieser Verfassung erst noch eingelöst werden muss.