Am 5. September wäre Freddie Mercury 80 Jahre alt geworden. Zum Datum hat seine langjährige Weggefährtin Mary Austin ein 320 Seiten starkes Archivbuch vorgelegt, das erstmals einen Blick in die Notizhefte, Skizzen und privaten Fotos des Queen-Sängers gewährt. „A Life in Lyrics“ erschien am 1. September bei HarperCollins, die deutsche Ausgabe „Ein Leben in Songs“ liegt seit Anfang September für 38 Euro bei C.H. Beck vor, wie die Abendzeitung München in ihrer Rezension festhält.

Austin, die Mercury 1969 kennenlernte und der der Sänger nach seinem Tod 1991 sein Haus in Kensington sowie den kompletten kreativen Nachlass vermachte, hat für den Band Handschriftliches, Zeichnungen, Fotografien und Fragmente nie aufgenommener Stücke zusammengetragen. Die Reproduktionen zeigen den Songwriter in verschiedenen Entstehungsstadien seiner Welthits. Ein Notizblatt belegt, dass „Bohemian Rhapsody“ in einer frühen Fassung noch unter dem Arbeitstitel „Mongolian Rhapsody“ geführt wurde. Austin selbst begründete das Projekt gegenüber Forbes damit, dass sie sichtbar machen wollte, wie viel Arbeit in den Songs stecke, „die die Menschen lieben.“ Der Band verzichtet auf einen chronologischen Zugriff und montiert Anekdoten, Faksimiles und Bildunterschriften nebeneinander.

Es waren seine dekadentesten Jahre.
- Nicola Bardola über Mercurys Zeit in München, FAZ

Parallel zum englischen Original hat der Münchner Autor Nicola Bardola seine Recherche zu Mercurys Jahren in Bayern neu aufgelegt. „Mercury in München - Seine besten Jahre“ stützt sich auf Archivbestände und Gespräche mit Weggefährten, die die Zeit rekonstruieren, in der der Sänger Ende der siebziger und in den frühen achtziger Jahren regelmäßig im Musicland Studio arbeitete und in der Stadt lebte. In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ordnete Bardola diese Phase als die „dekadentesten Jahre“ ein, die Mercury durchlebt habe.

Auch institutionell ist das Jubiläum präsent. Das Victoria and Albert Museum in London eröffnet am 24. Oktober die Ausstellung „Freddie Mercury Splendid Things“ mit acht Bühnen- und Videolooks aus Mercurys Karriere; sie läuft bis zum 17. Januar 2027 und speist sich zu großen Teilen aus Austins Sammlung. In Montreux, wo Queen ab 1978 im Mountain Studio produzierten, endeten am Wochenende die „Freddie Days“ mit einer ausverkauften Gala im Casino Barrière zugunsten des Mercury Phoenix Trust. Ab dem 7. Oktober läuft zudem eine restaurierte Kinofassung des Budapest-Konzerts von 1986 in IMAX-Sälen, bevor sie am 30. Oktober auf physischen Datenträgern erscheint.

Der öffentliche Nachruhm ist verstellt durch das kurze Leben, das ihn trägt: Mercury, geboren am 5. September 1946 als Farrokh Bulsara auf Sansibar, starb am 24. November 1991 im Alter von 45 Jahren an den Folgen von Aids, einen Tag nach seiner öffentlichen Diagnose. Mit dem Archivband liegt nun erstmals das handschriftliche Werkstattmaterial hinter den Songs zwischen zwei Buchdeckeln vor.