Der SC Freiburg hat das Finale der Europa League am Mittwochabend im Istanbuler Beşiktaş Park gegen Aston Villa mit 0:3 (0:2) verloren. Youri Tielemans (41.), Emiliano Buendía (45.+3) und Morgan Rogers (58.) trafen für die Engländer, die damit nach 44 Jahren ihren zweiten Europapokaltitel und ihren ersten in der Europa League gewinnen. Für Freiburg endet die erste Endspielteilnahme der Vereinsgeschichte ohne Titel.

Trainer Julian Schuster hatte sein Team in einem 4-2-3-1 aufgestellt. Vor Torwart Noah Atubolu verteidigten Kübler, Ginter, Lienhart und Treu, im Mittelfeld lenkten Höfler und Eggestein, davor agierten Beste, Manzambi und Vincenzo Grifo hinter Stürmer Matanović. Die Breisgauer kamen ordentlich in die Partie - bis zur 41. Minute hielt das Konzept. Dann verwertete Tielemans einen einstudierten Eckstoß per Direktabnahme aus 16 Metern. Drei Minuten später zog Buendía aus 17 Metern ins lange Eck ab. Zwei Standardsituationen, zwei Tore, alles vor der Pause.

Du brauchst einen optimalen Spielverlauf, um gegen Aston Villa gewinnen zu können. Das war nicht da.
- Julian Schuster, SC Freiburg, auf der Pressekonferenz

Schuster analysierte den Bruch nach Spielschluss präzise. Die ersten 40 Minuten seien „in Ordnung“ gewesen, sagte er auf der Pressekonferenz; danach habe sein Team sich „über Standards selbst aus dem Spiel genommen“. Das zweite Tor sei „einfach unser Fehler, speziell nach zweiten Bällen. Dafür sind wir kurz vor der Pause sehr bitter bestraft worden.“ Aston Villa kontrollierte mit zunehmender Spieldauer. Statistisch endete die Partie mit 17 zu 4 Torschüssen und einem xG-Wert von 2,11 zu 0,27 für die Engländer.

Kapitän Grifo, der für Scherhant in die Startelf gerückt war, fand die deutlichsten Worte. „Man muss ehrlich zugeben, dass Aston Villa die bessere Mannschaft war“, sagte er gegenüber RTL. „Leider haben wir es heute nicht geschafft, sie in Verlegenheit zu bringen. Sie waren sehr effizient und in allem, was sie taten, sehr erfahren.“ Innenverteidiger Matthias Ginter stellte den Niveauunterschied noch nüchterner fest: „Wir haben verdient verloren. Der Gegner hatte fast schon Bayern-Niveau.“

Emery zum fünften Mal Europa-League-Sieger

Für Aston-Villa-Trainer Unai Emery ist es bereits der fünfte Europa-League-Titel - dreimal mit dem FC Sevilla, einmal mit dem FC Villarreal, nun mit Villa. Der Klub aus Birmingham, der letztmals 1982 mit dem damaligen Europapokal der Landesmeister einen großen europäischen Titel geholt hatte, sichert sich neben der Trophäe einen Champions-League-Platz für die kommende Saison. Sportlich ist das Resultat eine Bestätigung des Aufbauwegs unter Emery, der den Verein binnen drei Jahren aus dem Mittelfeld der Premier League in die europäische Spitze geführt hat.

Auf Freiburger Seite war die Bühne lange ungewohnt. 11.000 Fans waren nach Istanbul gereist, weitere etwa 15.000 verfolgten das Spiel beim Public Viewing auf dem Gelände der Freiburger Messe. Für Nicolas Höfler war es nach Vereinsangaben das letzte Spiel im Trikot des SC. Auch Atubolu könnte den Klub im Sommer verlassen. Dass das historische Endspiel nun mit einem klaren Resultat endet, schmälert die Saisonleistung indes nicht: Freiburg hatte in der K.o.-Runde unter anderem Olympique Lyon und in der Vorschlussrunde Tottenham aus dem Wettbewerb geworfen.

Schuster blieb auf der Pressekonferenz bei einer differenzierten Einordnung. „Klar ist da jetzt die Trauer“, sagte er, „aber aus diesen Erfahrungen werden wir lernen und uns weiterentwickeln. Wir können einiges mitnehmen und werden dadurch besser.“ Für den Verein bedeutet die Finalteilnahme planerisch dennoch einen Sprung: Die Europa League hat Freiburg, das in der Bundesliga in der Schlussphase um Rang sechs spielt, den Einstieg in die nächste internationale Saison gesichert.

Aston Villa empfängt am Sonntag im letzten Premier-League-Spieltag den FC Manchester United. Die Engländer haben den Champions-League-Platz bereits sicher. Der SC Freiburg spielt am Samstag in der Bundesliga gegen Eintracht Frankfurt und hat dort ebenfalls noch die Chance, sich für die Europa League oder Conference League der kommenden Saison über die Liga-Tabelle zu qualifizieren.