Auf dem Court Philippe-Chatrier stehen am Donnerstagnachmittag vier Spielerinnen, die noch nie ein Grand-Slam-Finale erreicht haben - und ab 15 Uhr deutscher Zeit kämpfen sie um zwei Plätze im French-Open-Endspiel. Ein solches Tableau hat das Frauenturnier in Paris seit 1977 nicht mehr gesehen, wie das Portal Tennis Temple aus den Roland-Garros-Archiven berichtet. Möglich wurde es erst am Mittwochabend, als die Weltranglistenerste Aryna Sabalenka aus dem Turnier flog.

Wie wir am Dienstag berichteten, hatte Sabalenka noch im Achtelfinale Naomi Osaka aus dem Weg geräumt. Im Viertelfinale gegen die russische Linkshänderin Diana Shnaider führte sie 6:3, 5:3 und zwei Breaks, ehe sie die nächsten zehn Spiele in Folge verlor. Der dritte Satz endete 0:6 in gut einer halben Stunde. Endergebnis: 3:6, 7:5, 6:0 für Shnaider, die als Nummer 25 gesetzt war.

Ich glaube, mental bin ich in ein sehr tiefes, dunkles Loch gefallen, und ich kam mental einfach nicht mehr zurück.
- Aryna Sabalenka, Pressekonferenz Roland-Garros

„Auch als ich noch geführt habe, war es sehr dreckiges Tennis“, räumte die 27-Jährige nach der Partie ein, wie der offizielle Turnierkanal Roland-Garros mitteilte. Gegenüber Sky Sports sagte sie zudem: „Keine Gedanken, keine Emotionen. Ich möchte gerade einfach mit Tennis aufhören, aber das sehen wir in ein paar Tagen.“ Sie kündigte an, am Donnerstag in einem sogenannten Rage Room „einen ganzen Tag lang Sachen zu zerstören“.

Vier Außenseiterinnen, eine neue Siegerin

Nach Iga Swiatek, die schon in der dritten Runde an Marta Kostjuk gescheitert war, und Sabalenka ist im Damen-Tableau keine Spielerin mit Major-Titel mehr übrig. Den Auftakt am Donnerstag um 15 Uhr macht Kostjuk gegen die an Position 8 gesetzte Mirra Andrejewa. Die Ukrainerin ist auf Sand in dieser Saison ungeschlagen und hatte zuletzt im Finale des WTA-1000-Turniers in Madrid ausgerechnet Andrejewa bezwungen - es ist ihr erstes Grand-Slam-Halbfinale, wie Eurosport berichtet.

Im zweiten Halbfinale um 17.30 Uhr trifft Shnaider auf Maja Chwalinska. Die Polin kam als Qualifikantin ins Hauptfeld und war in ihrer Karriere zuvor nie über die zweite Runde eines Grand Slams hinaus, wie die Sportschau im Liveblog notiert. Auch Andrejewa und Shnaider standen vor diesem Turnier noch nie unter den letzten vier einer Major-Veranstaltung. Welche Konstellation am Samstag im Endspiel auch antritt - sie ist neu.

Bei den Herren spielt am Freitag Alexander Zverev gegen den 20-jährigen Tschechen Jakub Mensik um den Einzug ins Endspiel. Der Hamburger steht in Paris zum fünften Mal binnen sechs Jahren im Halbfinale; nach den Ausfällen von Carlos Alcaraz und Jannik Sinner gilt er bei den Buchmachern als klarer Favorit auf den Titel.