Mit Pontifikalämtern unter freiem Himmel und Prozessionen durch die Innenstädte begeht die katholische Kirche an diesem Donnerstag das Hochfest Fronleichnam. In München eröffnete Kardinal Reinhard Marx den Tag um 9 Uhr mit einem Freiluftgottesdienst auf dem Marienplatz vor dem Neuen Rathaus, anschließend zieht die rund zwei Kilometer lange Prozession über die Residenzstraße zur Ludwigskirche und über Ludwig- und Theatinerstraße zurück zum Marienplatz. In Köln feiert Kardinal Rainer Maria Woelki um 10 Uhr auf dem Roncalliplatz die Messe, danach zieht der Festzug über Alter Markt, Heumarkt und Schildergasse zum Segensaltar an der Minoritenkirche und endet im Hohen Dom.

Fronleichnam, lateinisch Sollemnitas Sanctissimi Corporis et Sanguinis Christi, gilt seit dem 13. Jahrhundert als Hochfest der bleibenden Gegenwart Christi in der Eucharistie. Das Fest fällt jedes Jahr auf den zweiten Donnerstag nach Pfingsten, in diesem Jahr also auf den 4. Juni. Im Mittelpunkt der Prozessionen steht die Monstranz, in der die geweihte Hostie durch die Straßen getragen wird, begleitet von Geistlichen, Ministrantinnen und Ministranten, Ordensleuten und kirchlichen Verbänden.

Sechs Länder feiern, der Norden arbeitet

Gesetzlicher Feiertag ist Fronleichnam in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und im Saarland, dazu in einzelnen, überwiegend katholisch geprägten Gemeinden Sachsens und Thüringens. In den zehn übrigen Bundesländern arbeiten Geschäfte und Behörden regulär. Für Beschäftigte in den Feiertagsländern bietet sich der Freitag als klassischer Brückentag an: Mit einem Urlaubstag entsteht ein viertägiges Wochenende von Donnerstag bis Sonntag. In Nordrhein-Westfalen bleiben die Läden geschlossen, lediglich Bäckereien und einzelne Reisebedarfsgeschäfte dürfen öffnen.

Das Erzbistum Köln verbindet das Hochfest in diesem Jahr mit dem Glaubensfestival „kommt & seht" am 5. und 6. Juni im Veranstaltungsort X-POST. Geplant ist nach Angaben des Erzbistums ein Programm rund um Eucharistie, Gemeinschaft und Glaubenszeugnisse. Eine Statio in Köln ist an der Minoritenkirche vorgesehen, eine parallel stattfindende Familienmesse beginnt dort um 11.15 Uhr.

Hintergrund: Kirche im Mitgliederschwund

Die Prozessionen fallen in eine Phase weiter schrumpfender Mitgliederzahlen. Nach der im März von der Deutschen Bischofskonferenz vorgelegten Kirchenstatistik gehörten Ende 2025 noch rund 19,2 Millionen Menschen der katholischen Kirche an, das entspricht 23 Prozent der Bevölkerung. 307.117 Katholikinnen und Katholiken traten 2025 aus, knapp 14.000 weniger als ein Jahr zuvor. Gemeinsam verloren die beiden großen Kirchen rund 1,2 Millionen Mitglieder. Ein Lichtblick aus Sicht der Bischöfe: Der Gottesdienstbesuch stieg im dritten Jahr in Folge leicht und liegt nun bei 6,8 Prozent.

Stört das Wetter, fällt der Plan in München vorab: Bei ungünstiger Witterung entscheidet das Erzbistum am Vorabend, dass der Freiluftgottesdienst und die Prozession entfallen und stattdessen eine Eucharistiefeier im Münchner Dom stattfindet. Für Rheinland-Pfalz und Hessen rechnet der Deutsche Wetterdienst mit Schauern, im Süden Bayerns soll es weitgehend trocken bleiben.