Maria Furtwängler ist am Sonntag 60 Jahre alt geworden. Die ARD hat den Geburtstag mit dem Erstsendetermin ihres 33. Tatort-Falls „König in Gelb“ verbunden und den Krimi am Sonntagabend um 20.15 Uhr in Hannover spielen lassen. Nach Zahlen des Ersten sahen 7,41 Millionen Menschen zu. Furtwängler nutzte die Interviewwelle rund um den Termin allerdings weniger zur Selbstfeier als für eine Warnung: Das Filmgeschäft nehme Diversitätsfragen wieder deutlich weniger ernst.
Gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) sagte die Schauspielerin, „die große Wachheit für Fragen der Diversität“ habe „spürbar nachgelassen“. Bei den Sendern sei das Thema zwar präsent, es werde aber „deutlich weniger aggressiv verfolgt“. Furtwängler führt die Entwicklung teilweise auf die Kehrtwende großer US-Konzerne zurück, die Diversity-Vorgaben in den vergangenen Monaten zurückgestutzt haben. Mehr Sichtbarkeit von Frauen und mehr Frauen in Führungspositionen täten „gerade verdammt gut“, betonte sie.
Die große Wachheit für Fragen der Diversität hat spürbar nachgelassen.
Aus eigener Erfahrung berichtet die Münchnerin, dass Rollenangebote mit steigendem Alter deutlich seltener würden. Der Bunten sagte sie zum Runden: „Ich fühle mich dankbar und wohl - viel mehr als früher, als ich jung war.“ Sie sei ihrem Körper dankbar, dass er weitgehend schmerzfrei funktioniere, und mit sich selbst milder geworden. Auf dem NDR-Talk „Inas Nacht“ hatte sie am vergangenen Samstag über ihre Medizin-Ausbildung und das Leben in Oberbayern gesprochen.
60 Jahre, 33 Fälle, ein Karrierewechsel
Furtwängler, promovierte Medizinerin, war seit 2001 hauptberuflich Schauspielerin, ihr Tatort-Debüt als Kommissarin Charlotte Lindholm gab sie 2002. Im vergangenen Jahr wurde sie mit dem Deutschen Fernsehpreis für ihre Rolle in „Bis zur Wahrheit“ ausgezeichnet. Der neue Fall „König in Gelb“ führt Lindholm und ihren Kollegen Vogel in eine Demenz-Wohngemeinschaft - ein Sujet, das die Schauspielerin gegenüber WEB.DE als persönlich beklemmend beschrieb. Ihr eigener Vater war an Demenz erkrankt, sie zählt die Krankheit zu jenen, „vor der ich auf jeden Fall auch Angst habe“.
Neben der Schauspielerei engagiert sich Furtwängler seit Jahren über die MaLisa Stiftung, die sie mit ihrer Tochter Elisabeth führt, für Gleichstellungsforschung im Kulturbetrieb. Die aktuelle Interviewrunde reiht sich in diese Linie ein: Der Geburtstag ist Anlass, nicht Thema. Furtwängler nutzt die Aufmerksamkeit, um eine Debatte anzustoßen, die andernorts leiser geworden ist.