Wie wir am Sonntag vor dem Gipfelauftakt berichteten, war der G7-Gipfel im französischen Évian unter dem Eindruck des US-iranischen Friedensmemorandums gestartet. Am Ende des Treffens steht nun eine gemeinsame Erklärung der Staats- und Regierungschefs, die nach Darstellung von t-online und Handelsblatt zwei zentrale Punkte enthält: Die G7 wollen die Sanktionen gegen Russland verschärfen, „auch im Öl- und Gassektor“, und „die Lieferung von weitreichenden Waffen und Luftverteidigungskapazitäten“ an die Ukraine ausweiten. Zusätzlich versprechen die sieben Staaten Kiew Unterstützung beim Durchstehen des kommenden Winters und wollen Lizenzen für eine ausgeweitete ukrainische Rüstungsproduktion prüfen.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bewertete den Abschluss nach Angaben der Wirtschaftswoche als „Tag der Hoffnung“. US-Präsident Donald Trump sei in Évian „sehr kooperativ“ gewesen, sagte Merz, weshalb er „in gewissem Maße“ optimistisch sei, dass Europäer und Amerikaner nun gemeinsam an einer Beendigung des Krieges arbeiten würden. „Das kann vielleicht erstmals eine Chance auf einen Frieden eröffnen“, erklärte der Kanzler. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sprach nach Darstellung des Handelsblatts von einem „Moment des strategischen Erwachens“ - der Westen habe sich entschieden, „an der Seite der Ukraine zu stehen“. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, der als Gast eingeladen war, traf am Rande des Gipfels mit Trump zusammen. Trump erklärte nach Darstellung von ZDFheute danach knapp: „Russland sollte ein Abkommen schließen.“
Das kann vielleicht erstmals eine Chance auf einen Frieden eröffnen.
Britisches Sanktionspaket, kanadische Listen, Trump-Drohung
Konkretester Beitrag des Abschlusstages sind nationale Sanktionspakete im Schatten der G7-Erklärung. Großbritannien legte 70 neue Maßnahmen vor, die nach Angaben der Wirtschaftswoche Russlands „Schattenflotte“, Lieferketten für Waffen sowie illegale Finanznetzwerke zur Sanktionsumgehung treffen sollen - darunter 20 zusätzliche Tanker und LNG-Schiffe; London ist nach Darstellung der Badischen Zeitung das erste G7-Land, das auch verflüssigtes Erdgas explizit aufnimmt. Kanada erweiterte nach Angaben der Wirtschaftswoche seine Sanktionslisten um 162 Personen, Unternehmen und Schiffe. Trump deutete nach Darstellung von ZDFheute zudem an, eigene Öl-Sanktionen gegen Russland reaktivieren zu wollen - ein Zeitpunkt blieb offen. Was er zusagte, ging weiter als alles, was die Trump-Regierung seit Amtsantritt gegen Moskau verhängt hat.
Selenskyj dankt Berlin - Skepsis bleibt
Selenskyj nutzte seinen Auftritt nach Angaben der Wirtschaftswoche, um Deutschland und Europa für die bisherige Unterstützung zu danken und konkrete Lieferungen weiterer Luftverteidigung zu erbitten - Details blieben unter Verschluss. Ob die G7-Erklärung den Realitätstest besteht, ist offen: Beim Gipfel 2025 in Kanada hatte sich Washington noch einer gemeinsamen Erklärung verweigert, und Trumps frühere Ankündigungen zu Russland-Sanktionen hatten oft nur kurz gehalten. Die Bundesregierung will den nun beschlossenen Schritt zur Sicherung der Straße von Hormus in der kommenden Sitzungswoche durch den Bundestag mandatieren lassen. Macron lädt Trump am Mittwochabend zusätzlich nach Versailles ein - ein zusätzlicher Termin, der nach Darstellung des Tagesanzeigers vom 15. Juni bewusst darauf zielt, den Präsidenten an Évian zu binden.