Am Montag empfängt Frankreichs Präsident Emmanuel Macron in Évian-les-Bains die Spitzen der sieben größten Industrienationen zum 52. G7-Gipfel. Bis Mittwoch tagen am Südufer des Genfersees Donald Trump, Friedrich Merz, Mark Carney, Keir Starmer, Giorgia Meloni und Japans Premierministerin Sanae Takaichi. Es ist das zweite Mal, dass Évian Gastgeber wird; zuletzt traf sich die Gruppe der damaligen Acht 2003 in dem Kurort.
Inhaltlich dominieren zwei Kriege die Tagesordnung. Frankreich, Großbritannien und Deutschland verlangen einen sofortigen Waffenstillstand in der Ukraine; Berlin sieht laut einem Regierungsbeamten in Évian die Chance, „ein Fenster für die Diplomatie“ mit Moskau zu öffnen. Der zweite Schwerpunkt ist der Naher-Osten-Konflikt: Sollte das am Samstag von Pakistan gemeldete US-iranische Rahmenabkommen tatsächlich am Sonntag in Genf unterzeichnet werden, wäre Évian die erste Bühne, auf der Trump das Ergebnis vor den Verbündeten verteidigen müsste. Weitere Themen sind Lieferkettensicherheit für seltene Erden, KI-Governance und Kinderschutz im Netz.
16.000 Polizisten, 27 geschlossene Grenzübergänge
Die Sicherheitsarchitektur ist die größte seit dem G8-Gipfel 2003. Auf französischer Seite sind rund 16.000 Polizisten, Gendarmen und Feuerwehrleute im Einsatz; die Schweiz stellt etwa 4.000 Soldaten, die unter anderem den Flughafen Genf für Staatsanflüge sichern. Zwischen dem 10. und 19. Juni schließt die Eidgenossenschaft 27 kleinere Grenzübergänge zu Frankreich, zugleich gelten erneut Personenkontrollen an den Schengen-Übergängen. Der Kanton Genf rechnet allein mit Sicherheitskosten von rund 20 Millionen Franken. Etliche Geschäfte in der Innenstadt sind seit Tagen mit Holzplatten verriegelt.
Im Genfer Parc de la Perle du Lac startet am Sonntagnachmittag um 15 Uhr eine angemeldete Großdemonstration des Bündnisses NoG7, das nach eigenen Angaben 60 Organisationen vereint. Die Veranstalter rechnen mit bis zu 50.000 Teilnehmern; die Polizei hat die Genehmigung ausdrücklich auf den Sonntag beschränkt, ein Vermummungsverbot durchgesetzt. Aktivistin Françoise Nyffeler sagte zum Auftakt am Freitag, es gehe darum, „Widerstand aufzubauen und über die Welt zu sprechen, die wir wollen“. Bereits ab Freitagabend laufen 18 Podiumsdiskussionen in Genfer Kulturzentren.
Hier kann sich erstmals seit langem ein Fenster für die Diplomatie öffnen.
Trump dominiert die Choreografie
Über allem liegt die Frage, wie lange Trump bleibt. Macron hat den Termin laut Pariser Élysée-Beamten bewusst auf den Tag nach Trumps 80. Geburtstag gelegt, damit der US-Präsident am Sonntag in Washington seine Geburtstagsparade absolvieren kann. Für Montagabend hat Macron ihn nach Versailles zu einem Staatsbankett geladen - ein deutliches Signal, dass Paris den Gipfel nicht ohne den Gast aus Washington bestreiten will. Beim letzten G7 in Kananaskis war Trump nach 24 Stunden abgereist.
Bundeskanzler Merz reist aus Berlin an. Er hatte den US-Schlag gegen den Iran Ende Mai politisch gestützt, aber zugleich vor wirtschaftlichen Folgen durch steigende Öl- und Gaspreise gewarnt und in Évian eine „rasche Beendigung der Kampfhandlungen“ zur Bedingung gemacht. Die Bundesregierung erwartet einen klassischen G7-Schlusskommuniqué nur dann, wenn auch Washington den Ukraine-Passus mitträgt. Ergebnisse aus Évian werden frühestens am Mittwochnachmittag vorliegen.