Der G7-Gipfel im französischen Évian-les-Bains hat am Montag unter dem Eindruck des US-iranischen Friedensmemorandums begonnen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) reiste am Vormittag mit einer Mischung aus Zuversicht und Mahnung an: „Dieser Gipfel findet in einer ausgesprochen bewegten Phase statt“, erklärte er nach Angaben der Bundesregierung vor dem Abflug. „Die Lage fordert uns. Sie eröffnet aber auch einige Chancen.“ Im Kurort am Südufer des Genfer Sees treffen US-Präsident Donald Trump, der britische Premier Keir Starmer, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, Italiens Premierministerin Giorgia Meloni, Kanadas Premier Mark Carney und Japans Regierungschefin Sanae Takaichi zusammen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wird am Montagabend erwartet.

Zentraler Punkt der Tagesordnung ist die Umsetzung des Iran-Abkommens, auf das sich Washington und Teheran am Wochenende verständigt hatten. Merz, Macron, Starmer und Meloni haben in einer gemeinsamen Erklärung zugesagt, „unseren Teil dazu“ beizutragen, wie ZDFheute berichtet: durch eine „rein defensiv ausgerichtete, unabhängige“ Militärmission zur Sicherung der Straße von Hormus. Macron stellte in Aussicht, dass der französische Flugzeugträger „Charles de Gaulle“ binnen Tagen vor Ort sein könne. Eine deutsche Beteiligung mit Minenräumbooten müsste nach Darstellung des Handelsblatts in der kommenden Woche vom Bundestag mandatiert werden. Merz forderte vor dem Abflug, die Meerenge müsse „dauerhaft und uneingeschränkt für die freie Schifffahrt geöffnet werden.“

Russland kann militärisch nicht gewinnen.
- Friedrich Merz, Bundeskanzler, Statement vor Abflug zum G7-Gipfel

Ukraine zurück in den Fokus

Mit dem Rückenwind der Iran-Einigung will Merz die Ukraine wieder stärker auf die Agenda Trumps setzen. Nach russischen Luftangriffen auf Kiew am Wochenende fordert Selenskyj mehr Luftverteidigung von den Verbündeten. Die fünf Punkte, die Merz, Macron und Starmer am 7. Juni in London definiert hatten, sollen am Dienstag in Selenskyjs Beisein erörtert werden. „Erstmals kann sich hier langsam ein Fenster für die Diplomatie öffnen“, sagte Merz mit Blick auf die Ukraine - und stellte unmissverständlich klar: „Russland kann militärisch nicht gewinnen.“ Macron lädt Trump am Mittwochabend zusätzlich nach Versailles ein, um ihn nach Darstellung des Tagesanzeigers über die offizielle Schlussrunde hinaus „bei der Stange zu halten.“

Streit über Zölle, Sorge um Versorgung

Neben der Sicherheits- bricht in Évian auch die Handelsdiskussion auf. Trump droht dem Gastgeber Frankreich nach Angaben der NWZ mit 100-Prozent-Zöllen auf Wein, sollten Paris und Brüssel die Digitalsteuern auf US-Konzerne nicht zurücknehmen. Die Weltbank hatte ihre Wachstumsprognose für 2026 zuletzt auf 2,5 Prozent gesenkt. Die G7 wollen darüber hinaus eine gemeinsame Plattform für Lieferketten kritischer Rohstoffe beschließen - ein Punkt, den Frankreich als Gastgeber von Anfang an in den Mittelpunkt der Wirtschaftsagenda gerückt hatte. „Wir brauchen verlässliche Handelsbeziehungen, und wir brauchen einen fairen globalen Wettbewerb“, sagte Merz dazu vor dem Abflug. Ob die Staats- und Regierungschefs eine gemeinsame Abschlusserklärung verabschieden können, ist nach Darstellung von ZDFheute bis zuletzt offen: Schon beim Treffen 2025 in Kanada hatte sich die Trump-Regierung einer solchen Erklärung verweigert.