Die zusammengefasste Geburtenziffer in Deutschland ist im Jahr 2025 auf 1,32 Kinder je Frau gefallen. Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden meldete am Mittwoch einen Rückgang um 2,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr, als noch 1,35 Kinder je Frau gezählt worden waren. Ein niedrigerer Wert wurde zuletzt Mitte der 1990er-Jahre gemessen, damals lag der Tiefstwert bei 1,24 Kindern je Frau.

Insgesamt kamen 2025 in Deutschland 654.241 Kinder zur Welt, der niedrigste Stand der Nachkriegszeit. Die Behörde bestätigte damit die endgültigen Zahlen, die sie bereits im April vorgelegt hatte. Seit 2022 sinkt die Geburtenziffer laut Destatis kontinuierlich.

Als Ursache nennt Martin Bujard, Forschungsdirektor am Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung, gegenüber dem Tagesspiegel „die multiplen Krisen, die die Menschen verunsichern“. Kriege, wirtschaftliche Sorgen und die Klimakrise führten dazu, dass junge Erwachsene die Familiengründung aufschöben. Auch das Alter der Eltern steigt weiter: Mütter sind bei der Geburt inzwischen im Schnitt 31,9 Jahre alt, Väter 34,8.

Wir brauchen ein zukunftsoptimistisches Narrativ. Wir müssen raus aus dem Krisen-Narrativ.
- Martin Bujard, Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung, Tagesspiegel

Ost-West-Gefälle bleibt sichtbar

Die Unterschiede zwischen den Bundesländern sind erheblich. Niedersachsen liegt mit 1,38 Kindern je Frau bundesweit vorn, Sachsen bildet mit 1,16 das Schlusslicht. In den östlichen Flächenländern kamen laut Destatis im Schnitt 1,22 Kinder auf eine Frau, in den westlichen 1,34. Auch die Herkunft spielt eine Rolle: Frauen mit deutscher Staatsangehörigkeit brachten 2025 im Schnitt 1,20 Kinder zur Welt, Frauen mit ausländischer Staatsangehörigkeit 1,78.

Im europäischen Vergleich lag Deutschland zuletzt leicht über dem EU-Durchschnitt von 1,34, wie das Bundesamt mitteilte. Zwischen 2019 und 2024 sank die deutsche Quote allerdings um zwölf Prozent - stärker als in den meisten anderen Mitgliedstaaten.

Was der Rückgang bedeutet

Für die Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik hat der Trend spürbare Folgen, warnt Bujard im Tagesspiegel: „Die Auswirkungen zeigen sich dann in etwa 20 Jahren, wenn eine Generation auf den Arbeitsmarkt geht, die ein Drittel kleiner ist als die Elterngeneration.“ Bereits jetzt diskutiert die schwarz-rote Koalition, wie sich Fachkräftemangel und Rentensystem stabilisieren lassen; das am Mittwoch beschlossene Reformpaket sieht dazu unter anderem eine flexiblere Befristung von Arbeitsverträgen vor.

Die endgültige Kinderzahl des Frauenjahrgangs 1976 liegt laut Destatis bei 1,58 - die Geburtenquote jüngerer Jahrgänge könnte diesen Wert weiter unterschreiten, wenn der aktuelle Trend anhält.