Arte hat am Montagabend um 20:15 Uhr John Frankenheimers Gefängnisdrama „Der Gefangene von Alcatraz“ aus dem Jahr 1962 im Free-TV wiederholt. Der Schwarzweißfilm mit Burt Lancaster in der Hauptrolle steht anschließend bis zum 27. Oktober in der Arte-Mediathek zum Streaming bereit.

Die 143 Minuten lange Adaption von Thomas E. Gaddis' Roman erzählt das Leben des US-Häftlings Robert Franklin Stroud. Frankenheimer wählt für das Gefängnisdrama einen, wie der Filmdienst schreibt, „reportagehaft-harten Stil“. Statt auf Effektszenen setzt der Regisseur auf lange Kameraeinstellungen und Lancasters ruhiges Spiel.

Vom Wärtermörder zum Ornithologen

Stroud tötete 1916 in der Strafanstalt Leavenworth einen Aufseher und entging der Hinrichtung nur, weil Präsident Woodrow Wilson die Todesstrafe in lebenslange Haft umwandelte. In der Isolationszelle begann Stroud, verletzte Kanarienvögel zu pflegen, und veröffentlichte später ein anerkanntes Fachbuch über Vogelkrankheiten. Auf Alcatraz, wohin er 1942 verlegt wurde, durfte er allerdings keine Tiere mehr halten - eine biografische Tatsache, die der Film weitgehend übergeht.

Die Abendzeitung München verweist auf zunehmende Kritik an dieser Verklärung: „Stimmen mehrten sich, dass der Stroud im Film nicht allzu viel mit dem aus der Realität zu tun hatte.“ Der reale Stroud verbrachte 54 Jahre in Haft, davon 43 in Einzelhaft, und starb im November 1963 in einem Gefängniskrankenhaus in Springfield, Missouri. Den Film über sein Leben sah er nie.

Frankenheimer inszenierte in einem nüchternen Reportagestil die Lebensgeschichte von Robert F. Stroud.
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Vier Oscar-Nominierungen

Für seine Darstellung erhielt Lancaster 1963 eine Nominierung als bester Hauptdarsteller sowie die Coppa Volpi der Filmfestspiele von Venedig. Der Filmdienst bezeichnet die Wandlung vom Gewaltverbrecher zum vertieften Ornithologen als „überzeugend und intensiv“. Insgesamt bekam der Film vier Academy-Award-Nominierungen - neben Lancaster auch die Nebendarsteller Telly Savalas und Thelma Ritter sowie Kameramann Burnett Guffey. Ein Preis blieb dem Team versagt.

In den Nebenrollen spielen Karl Malden als Gefängnisdirektor sowie Neville Brand und Betty Field. Frankenheimer verstand das Drama als Plädoyer für humanere Haftbedingungen in den USA. Im Anschluss an „Der Gefangene von Alcatraz“ zeigte Arte am Montag mit Oliver Hirschbiegels „Das Experiment“ von 2001 einen weiteren Film über das Leiden in geschlossenen Systemen.