Es ist das Spiel, das in Gruppe L keiner verlieren darf - und das doch keiner mit Sicherheit gewinnen kann. Wenn Ghana und Panama am Donnerstag um 1 Uhr deutscher Zeit im Toronto BMO Field aufeinandertreffen, geht es um die einzigen realistischen Punkte, die im weiteren Verlauf gegen England und Kroatien wohl kaum noch zu holen sind. Beide Teams wissen: Wer hier patzt, dem droht das frühe Aus.
Auf der Bank der Black Stars sitzt mit Carlos Queiroz ein WM-Routinier auf Bewährung. Der Portugiese übernahm erst im April, nachdem die Nachfolger im DFB-Notizbuch standen: Otto Addo war nach den Test-Niederlagen gegen Österreich (1:5) und Deutschland (1:2) im März entlassen worden. Es ist Queiroz' fünfte Weltmeisterschaft als Trainer - Erfahrung, die der Tagesschau-Bewerter dpa hervorhebt. Ohne Mittelfeldchef Thomas Partey, der wegen der Anklage in London nicht nach Kanada einreisen darf, fehlt der Mannschaft das ordnende Element vor der Abwehr.
Sportlich stützt sich Queiroz auf Inaki Williams, der für Athletic Bilbao zuletzt drei Pflichtspiele in Folge traf, sowie Antoine Semenyo, Jordan Ayew als Kapitän und den vorgerückten Spielmacher Mohammed Kudus. Defensiv bleibt das Problem: Unter Addo blieb Ghana in den letzten fünf Spielen ohne ein einziges Mal zu Null, kassierte elf Gegentore bei nur drei eigenen Treffern. Für den Auftakt gegen Panama sind das keine Aufbauzahlen.
Du musst erstmal sieben Tore machen.
Panama tritt zur zweiten WM-Teilnahme der Geschichte an, nach 2018 in Russland. Trainer Thomas Christiansen, ein ehemaliger Barcelona-Spieler, steht seit 2020 an der Seitenlinie und hat das Team, wie Eurosport schreibt, „besser organisiert“ als den Gegner. Im Kader stehen mit Ismael Diaz und José Fajardo zwei Torjäger, die jeweils 17 Pflichtspieltore in der vergangenen Saison erzielten - allerdings in Ligen unterhalb des Niveaus der ghanaischen Konkurrenten. In den letzten fünf Partien gewann Panama immerhin zwei: 4:2 gegen die Dominikanische Republik und 2:1 gegen Südafrika.
Drei Tickets - zwei Außenseiter
Die WM 2026 bestraft frühe Patzer härter als ihre Vorgänger: 48 Mannschaften, zwölf Gruppen, acht der besten Gruppendritten kommen weiter. Wer wie Ghana und Panama in einer Gruppe mit zwei Schwergewichten steckt, kann sich nach dem Auftakt schon kein zweites Tief mehr erlauben. Gegen England spielt Ghana am Sonntag in New York, Panama trifft am gleichen Tag in Boston auf Kroatien.
Bei den Wettquoten ist Ghana der knappe Favorit, ohne dass die Buchmacher den Anhängern viel Mut machen: Die Eurosport-Prognose sieht ein 1:0 als wahrscheinlichstes Ergebnis, unter 2,5 Toren gilt als sichere Bank. Toronto bekommt also voraussichtlich kein Spektakel zu sehen - aber eines, dessen Ausgang die ganze WM-Erzählung dieser zwei Nationen prägt.