Die US-Journalistin und Frauenrechtsaktivistin Gloria Steinem ist tot. Sie starb nach Angaben ihrer Stiftung am Mittwoch im Alter von 92 Jahren in ihrer Wohnung in New York, wie ZDFheute und t-online unter Berufung auf die Mitteilung berichten. Die Nachricht verbreitete sich am Donnerstag über Steinems verifizierte Instagram-Accounts, wo die Stiftung erklärte, sie sei „umgeben von einigen der vielen Menschen, die sie liebten“, friedlich eingeschlafen.
Steinem war seit Ende der 1960er Jahre eines der bekanntesten Gesichter der zweiten feministischen Welle in den USA. Ihr journalistischer Durchbruch gelang ihr 1963, als sie sich für das Magazin „Show“ elf Tage lang undercover als sogenannte Playboy Bunny in einem New Yorker Club des Playboy-Imperiums von Hugh Hefner anstellen ließ. Ihre Reportage „A Bunny’s Tale“ dokumentierte die Arbeitsbedingungen der Frauen dort und wurde zum vielzitierten Beispiel für investigativen Frauenjournalismus.
1972 gründete Steinem gemeinsam mit der Kinderrechtsaktivistin Dorothy Pitman Hughes das Magazin „Ms.“, das als erste landesweite feministische Zeitschrift der USA gilt und bis heute erscheint. „Ms.“ wurde zum publizistischen Zentrum der Bewegung: Abtreibungsrechte, häusliche Gewalt und Lohndiskriminierung waren dort Titelthemen, lange bevor die großen Nachrichtenmagazine sie aufgriffen. Ein Jahr zuvor hatte Steinem mit Bella Abzug und Shirley Chisholm den National Women’s Political Caucus mitgegründet, der Frauen den Weg in gewählte Ämter ebnen sollte.
Ich habe mich nicht verändert. Die Ehe hat sich verändert.
Symbol einer Bewegung, die längst nicht am Ziel war
Steinem stand für einen Feminismus, der Journalismus, Aktivismus und Organisationsarbeit verband. 2013 verlieh Präsident Barack Obama ihr die Presidential Medal of Freedom, die höchste zivile Auszeichnung der USA. 2021 erhielt sie in Spanien den Prinzessin-von-Asturien-Preis für Kommunikation und Geisteswissenschaften. Auch nach ihrem 80. Geburtstag blieb sie im öffentlichen Diskurs präsent, unter anderem als scharfe Kritikerin der Entscheidung des Obersten Gerichtshofs, die das bundesweite Recht auf Schwangerschaftsabbruch 2022 kippte.
Ihre Stiftung schrieb in der Todesanzeige, Steinem habe „fast ein Jahrhundert“ gelebt und sich bis zuletzt für Gleichberechtigung eingesetzt, wie web.de und t-online übereinstimmend zitieren. Am 22. September soll posthum ihre Autobiografie „An Unexpected Life“ erscheinen, an der sie bis kurz vor ihrem Tod gearbeitet hatte. Eine Todesursache nannte die Stiftung nicht; Steinem hatte in den 1980er Jahren eine Brustkrebserkrankung überstanden.