Die Gorch Fock hat am Sonntag vor der US-Ostküste die Five Sister Trophy gewonnen und den Pokal nach fünf Jahrzehnten zurück nach Deutschland geholt. Das Segelschulschiff der Deutschen Marine überquerte nach 7 Stunden, 26 Minuten und 52 Sekunden als Erstes die Ziellinie vor Boston. Die rund 60 Seemeilen lange Regatta führte um Cape Cod herum und war Teil der Feiern zum 250. Jahrestag der amerikanischen Unabhängigkeit.

Auf den Plätzen zwei bis vier folgten die drei baugleichen Schwesterschiffe: Die amerikanische Eagle erreichte das Ziel 38 Minuten nach der Gorch Fock, die portugiesische Sagres eine Stunde und die rumänische Mircea rund zwei Stunden später. Alle vier Barken waren in den 1930er Jahren auf der Hamburger Werft Blohm+Voss vom Stapel gelaufen, die deutsche Gorch Fock kam 1958 als Nachfolgerin ihres im Krieg verlorenen Namensvetters hinzu. Der 214-köpfigen Besatzung stand Kapitän zur See Elmar Bornkessel als Kommandant vor.

Nach fünf Jahrzehnten hat die Gorch Fock die Five Sister Trophy wieder nach Deutschland geholt.
- Elmar Bornkessel, Kommandant der Gorch Fock

Der Vorgänger endete 1976 mit einer Kollision

Die Regatta hat eine ungewöhnliche Geschichte. Das erste Aufeinandertreffen der vier Schwestern fand 1976 im Rahmen der US-Bicentennial-Feiern statt und musste nach einer Kollision zwischen Teilnehmern vorzeitig abgebrochen werden - die Gorch Fock hatte zu diesem Zeitpunkt geführt. Erst zum 250. Geburtstag der Vereinigten Staaten kamen die Schiffe nun wieder zum Rennen zusammen. Für die deutsche Marine bedeutet der Sieg damit auch die späte Bestätigung eines abgebrochenen Erfolgs von vor 50 Jahren.

Bornkessel führte den Sieg auf die Vorbereitung der Besatzung zurück. Man habe mit „neuen Polardiagrammen, optimierter Segelvorausbildung und früher Positionierung" gearbeitet, erklärte er nach der Ankunft. Der Sieg zeige, „was Seemannschaft, Disziplin und gemeinsamer Wille leisten können". Dass alle vier Schwesterschiffe überhaupt gemeinsam an den Start gingen, gilt als seltene diplomatische wie logistische Klammer: Die Eagle wurde 1946 als Reparationsleistung an die USA übergeben, die Sagres 1948 an Portugal, die Mircea war ohnehin für Rumänien gebaut worden.

Rückreise im September

Die Gorch Fock war am 4. Juli in New York eingelaufen und hatte an der Parade zum 250. Unabhängigkeitstag auf dem Hudson River teilgenommen, bevor sich das Rennen der Schwesterschiffe anschloss. Es handelt sich laut Marine um die 189. Auslandsausbildungsreise des Schiffs. Nach weiteren Stopps an der amerikanischen Ostküste soll die Gorch Fock im September nach Kiel zurückkehren. In Berlin und Kiel dürfte der Erfolg willkommen sein: Das Schiff war zuletzt vor allem durch eine langjährige, kostenintensive Sanierung in den Schlagzeilen, weniger durch Rennsiege.