Am Donnerstag öffnet in Karlsruhe die 24. Gulaschprogrammiernacht (GPN24), das nach dem Chaos Communication Congress zweitgrößte Treffen des Chaos Computer Club. Vier Tage lang verwandeln Entropia e.V., der Karlsruher CCC-Ableger, die Hochschule für Gestaltung (HfG) und das benachbarte ZKM in ein Hackcenter. Der Veranstalter rechnet mit über 1.500 Teilnehmenden, die Tickets für den Innenbereich sind seit Wochen vergriffen.
Das Motto „Gulasch at the Scale of Chaos" inszeniert die GPN24 in diesem Jahr als Hyperkonzern mit Serviceangeboten wie „Gulasch24" und „Tschunk24". Die Anspielung auf die Skalierungslogik der großen Tech-Plattformen zieht sich durch das Programm: Vorträge zu Hard- und Softwareentwicklung, IT-Sicherheit, Open Source und Netzpolitik wechseln sich mit Workshops, Lötecken und Lightning Talks ab. Begleitet wird die Konferenz vom Streaming-Angebot auf streaming.media.ccc.de, das die wichtigsten Talks für alle zugänglich macht, die kein Ticket bekommen haben.
Uns gefällt alles.
Hinter der Selbstironie steht ein handfestes Finanzierungsproblem. Auf der Veranstaltungsseite ruft Entropia e.V. zu Spenden in Höhe von rund 80.000 Euro auf - so viel sei nötig, weil die offiziell nicht so genannten Registrierungen die Kosten der werbefreien Konferenz nicht decken. Schon die HfG Karlsruhe verweist in ihrer Ankündigung darauf, dass die GPN „spendenfinanziertes Gemeinschaftsformat" sei und alle Interessierten anspreche - nicht nur „Digital Natives" oder Technikfachleute.
Mehr Auflagen, weniger Improvisation
Neu ist in diesem Jahr eine verpflichtende Vorab-Registrierung für den Zutritt zu HfG und ZKM, wie das ZKM in seiner Ankündigung erklärt. Tageskarten gibt es nur in begrenzter Zahl an der Tür, Merchandise wurde komplett auf Vorbestellung umgestellt - bis zum 29. April mussten die T-Shirts geordert sein, vor Ort wird nicht mehr verkauft. Hinzu kommt ein Talk mit dem Titel „Trollen leicht gemacht", der gleich nach der Eröffnung erklärt, wie das Freiwilligensystem der Veranstaltung funktioniert. Die Hackerszene professionalisiert ihre eigenen Großveranstaltungen, ohne die anarchische Tonalität aufzugeben.
Inhaltlich bewegt sich die GPN24 in dem Themenkorridor, den der CCC seit Jahren beackert: Datenschutz, freie Software, kritische Auseinandersetzung mit Plattformökonomie und staatlicher Überwachung. Dass dieser Diskurs gerade jetzt Konjunktur hat, dürfte den Organisatoren nicht entgangen sein - die Debatten um KI-Trainingsdaten, EU-Tech-Souveränität und die Rolle privater Konzerne in der digitalen Infrastruktur prägen das Jahr 2026. Die GPN24 dauert bis Sonntag, 7. Juni.