Zum zweiten Mal binnen acht Tagen hat die deutsche Nationalmannschaft an Griechenland gebissen. Nach dem 0:1 vor eigenem Publikum in Augsburg kam das Team von Jürgen Klopp am Sonntagabend im Toumba-Stadion in Thessaloniki nicht über ein 0:0 hinaus. Entscheidend war eine Szene aus der 32. Minute: Jonathan Burkardt staubte eine Hereingabe von Derry Scherhant zur vermeintlichen Führung ab, nach Videostudium kassierte Schiedsrichter Clément Turpin den Treffer wieder - Tom Bischof hatte den Ball im Mittelfeld zuvor mit der Hand berührt. Griechenland feierte das Remis am Ende wie einen Sieg, wie der Sportschau-Spielbericht schildert.
Dass Deutschland den Pfosten der Qualifikationshoffnungen traf, nicht aber das Tor, lag an einer verschobenen Chancenverwertung. Die Statistik der ersten Hälfte liest sich klar: 74 Prozent Ballbesitz, 13 Torschüsse zu einem auf griechischer Seite, so bilanzierte spox den Durchgang. Doch Florian Wirtz nickte in der 20. Minute statt aufs Tor zu Burkardt, David Raum setzte einen Freistoß nur an den Keeper Tzolakis, und Philipp Treu entschied sich in der 56. Minute für den Querpass, als selbst der Abschluss zwingend war. Dazwischen stand früh Jonas Urbig im Fokus, der einen Kopfball von Georgios Masouras aus fünf Metern reflexartig entschärfte.
Klopp hatte seine Elf im Vergleich zum 2:0 gegen Serbien an drei Stellen umgebaut. David Raum rückte für die Außenbahn ein, Lennart Karl bekam auf dem rechten Flügel seine Startelf-Chance, Burkardt besetzte das Zentrum. Jonas Urbig blieb nach seinem Debüt in Augsburg zwischen den Pfosten. Die Umstellungen trugen in Durchgang eins, verloren aber nach einer Stunde ihren Rhythmus. In der 63. Minute reagierte Klopp mit Nick Woltemade und Said El Mala für Burkardt und Karl, in der 83. Minute kamen Conte und Baur. Zwingender wurde der deutsche Auftritt dadurch nicht.
Die erste Halbzeit war außerordentlich gut. Ab der 60. Minute wurden wir ein bisschen unruhig, aber das ist normal. Wir sollten einfach mal den Ball ins Tor schießen, das würde helfen.
Qualifikation wackelt
Sportlich steht nach drei Spielen in Gruppe A2 ein unangenehmes Bild. Deutschland hat vier Punkte, Griechenland und die Niederlande liegen mit sieben vorn, wie der DFB-Datencenter ausweist. Bei nur zwei verbleibenden Partien - am 13. November in Serbien, am 16. November in den Niederlanden - braucht die DFB-Elf mindestens einen Dreier und Schützenhilfe, um das Viertelfinale der Nations League zu erreichen. Griechenland, das Christos Tzolis vom FC Arsenal muskulär angeschlagen zuhause lassen musste, verteidigte tief und mit Körperlichkeit, zeigte dabei nur zwei nennenswerte Angriffe in Halbzeit eins und reichte das in dieser Partie.
Für Klopp war es die erste Länderspielwoche, in der die Euphorie des Trainingslagers und der Testspiele auf den harten Pflichtaufgaben-Alltag der UEFA-Wettbewerbe traf. Die Pressestimmen am Montagmorgen zeichneten das Bild einer Mannschaft, die den Ball spielt, aber nicht die Entscheidung sucht. „Es tut richtig weh, dass wir nicht getroffen haben“, sagte Scherhant nach dem Abpfiff gegenüber der Sportschau. „Aber man hat gesehen, dass wir alles reingeworfen und unsere Herzen auf dem Platz gelassen haben.“ Herz allein wird im November nicht reichen.