Die grönländische Regierung hat am Wochenende eine „deutliche Warnung“ an das US-amerikanische Ölunternehmen Greenland Energy gerichtet. Wie der britische Guardian und die dänische Recherche-Plattform Danwatch berichten, hat die Firma an der Ostküste Grönlands, in der Nähe der Siedlung Ittoqqortoormiit, Container mit Bohrausrüstung anlanden lassen - ohne behördliche Genehmigung. Die Bergbaubehörde in Nuuk teilte mit, alle künftigen Logistikschritte müssten künftig vorab gemeldet und freigegeben werden.

Greenland Energy, mit Sitz in Texas und erst 2025 gegründet, plant nach eigenen Angaben zwei Explorationsbohrungen im Jameson-Land-Becken. Das Unternehmen investiere dafür rund 60 Millionen US-Dollar und vermute Reserven von bis zu einer Milliarde US-Dollar Rohöl, heißt es in seiner Kommunikation. Das Zielgebiet liegt in einem Feuchtgebiet, das unter der Ramsar-Konvention geschützt ist. Grönland hatte 2021 ein Moratorium für neue Öllizenzen verhängt und die Vergabe damit faktisch ausgesetzt.

Verbindungen ins Trump-Umfeld

Der Fall trifft eine politische Nervenlage. Verwaltungsratsvorsitzender und Großaktionär von Greenland Energy ist der Investor Larry Swets, der laut Guardian und t-online Zugang zum inneren Kreis um US-Präsident Donald Trump hat. Als Berater engagierte die Firma den TV-Moderator Phil McGraw, bekannt als „Dr. Phil“, der unter Trump in einer Kommission für Religionsfreiheit saß. Trump selbst hatte Ende Juli in einem Radiointerview angekündigt, die USA würden Grönland vor dem Ende seiner Amtszeit übernehmen - ein Anspruch, dem sowohl Kopenhagen als auch Nuuk mehrfach widersprochen haben.

Vertreter des Unternehmens hatten die Bevölkerung von Ittoqqortoormiit nach Angaben von Danwatch bereits im Juni besucht. Damals habe ein Mitarbeiter fälschlich behauptet, die Landeerlaubnis liege vor. Swets räumte später ein, „unser Enthusiasmus für das Projekt“ habe „zu einer Kommunikation geführt, die Verwirrung verursachte“. Wenige Wochen später beobachteten Anwohner, wie ein Schlepper einen Lastkahn an Land zog und Container entlud. Danwatch konnte die Ladung als Material von Greenland Energy identifizieren.

Alle künftigen logistischen Maßnahmen müssen der Behörde für Bodenschätze gemeldet und genehmigt werden - bevor sie durchgeführt werden.
- Bergbaubehörde Grönlands, 9. August 2026

Widerstand vor Ort

Ittoqqortoormiit zählt rund 300 Einwohner und liegt etwa 50 Kilometer vom geplanten Bohrgebiet entfernt. Das örtliche Komitee hatte laut kreisbote sechs konkrete Gegenleistungen für eine Zusammenarbeit gefordert, unter anderem eine größere Sporthalle, ein beheiztes Freibad und Hubschrauberflüge. Firmenchef Robert Price lehnte alle sechs Punkte ab und bot stattdessen einen lokalen Fonds von umgerechnet rund 133.000 Euro sowie etwa zehn Arbeitsplätze an. Die bestehenden Explorationsrechte im Jameson-Land-Becken hält die britische Firma 80 Mile - Greenland Energy will sich mehrheitlich einkaufen, benötigt dafür aber die Zustimmung der grönländischen Regierung.

Für Nuuk verbindet sich der Vorfall damit zu einer doppelten Provokation: einer Firma, die ohne Genehmigung Fakten schaffen will, und einer politischen Kulisse, in der der US-Präsident Grönland offen zum Übernahmeziel erklärt. Die Regierung hat bislang keine Sanktionen angekündigt, ihre Warnung liest sich aber als klare Ansage, dass jede weitere Anlandung ohne Freigabe rechtliche Konsequenzen haben wird. Ob und wann Greenland Energy die formal notwendigen Anträge stellt, ist bislang unklar.