Elon Musks KI-Konzern SpaceXAI hat am Mittwochabend sein neues Flaggschiff-Sprachmodell Grok 4.5 vorgestellt. Das Unternehmen, das im Februar 2026 aus dem Zusammenschluss von xAI mit dem Raumfahrtkonzern SpaceX hervorging, positioniert das Modell offensiv als Angriff auf die Marktführer Anthropic und OpenAI - vor allem über den Preis. Für Nutzer in der Europäischen Union ist Grok 4.5 zunächst nicht verfügbar; SpaceXAI kündigte eine EU-Freischaltung erst für Mitte Juli an.

Die Preisgestaltung ist der eigentliche Paukenschlag. Grok 4.5 kostet zwei US-Dollar pro einer Million Eingabe-Tokens und sechs Dollar pro einer Million Ausgabe-Tokens. Zum Vergleich: Anthropics Spitzenmodell Claude Opus 4.8 liegt bei fünf beziehungsweise 25 Dollar, OpenAIs GPT-5.5 bei fünf zu 30 Dollar. Damit unterbietet SpaceXAI die Konkurrenz beim Ausgabepreis um über 75 Prozent - für ein Modell, das laut Herstellerangaben in der oberen Leistungsklasse mitspielen soll. Trainiert wurde Grok 4.5 nach Angaben von heise online auf „zehntausenden“ Nvidia-GB300-GPUs und erreiche eine „doppelte Token-Effizienz“ gegenüber führenden Konkurrenzmodellen.

Technisch basiert Grok 4.5 auf einer neuen V9-Architektur mit rund 1,5 Billionen Parametern und einem Kontextfenster von 500.000 Tokens. Ausdrücklicher Schwerpunkt ist Software-Engineering: Das Modell wurde gemeinsam mit dem Entwickler-Werkzeug Cursor der US-Firma Anysphere trainiert, das SpaceXAI vor wenigen Wochen für 60 Milliarden Dollar übernommen hat. Nach Angaben von SpaceXAI verarbeitet Grok 4.5 rund 80 Tokens pro Sekunde, benötigt bei komplexen Codieraufgaben nach eigenen Messungen im Benchmark SWE-Bench Pro rund 4,2 mal weniger Ausgabe-Tokens als Opus 4.8.

Ein Modell der Opus-Klasse, aber schneller, token-effizienter und günstiger.
- Elon Musk über Grok 4.5, zitiert von TechCrunch

Musk selbst nannte das Modell auf X eine „Opus-Klasse-KI, aber schneller, token-effizienter und günstiger“, wie TechCrunch berichtete. In den unabhängigen Benchmarks des Analysehauses Artificial Analysis rangiert Grok 4.5 auf Rang vier des Intelligence Index. In der Spitzengruppe reiht sich das Modell hinter Anthropics „Fable“ ein, wie heise online mit Verweis auf die Testergebnisse berichtete, liegt aber in Teilbereichen wie IT-Sicherheit vor Opus 4.8 und GPT-5.5. Auf Harveys Legal Agent Benchmark, einem Test für juristische Rechercheaufgaben, führt Grok 4.5 nach Angaben des Herstellers das Feld an.

EU-Start hängt an Regulierungsfragen

Für Nutzer in der Europäischen Union bleibt das Modell zunächst hinter einer Wartemauer. SpaceXAI bestätigte, dass Grok 4.5 in der EU „Mitte Juli“ verfügbar sein soll - ohne genaues Datum. Die Fachpublikation it-boltwise nannte als Hintergrund „regulatorische Compliance, Datenverarbeitung und Infrastrukturanpassung“ und weist auf offene Fragen im Umfeld der EU-KI-Verordnung hin, die seit August 2024 in Kraft ist. In Deutschland überwacht die Bundesnetzagentur seit dem im Juni beschlossenen Durchführungsgesetz die Einhaltung der EU-Regeln als zentrale Marktaufsicht. Erste Reallabor-Genehmigungen sind für Herbst angekündigt.

Der Start von Grok 4.5 folgt in einer Marktphase, in der die grossen Anbieter im Wochentakt neue Modelle veröffentlichen. OpenAI arbeitet nach übereinstimmenden Medienberichten am Nachfolger GPT-5.6, Anthropic hat mit „Fable“ zuletzt die Spitze des Intelligence Index verteidigt. SpaceXAI setzt bewusst auf den Preishebel - und darauf, dass Entwickler und Firmenkunden bei sinkenden Preisen bereit sind, den Anbieter zu wechseln. Ob das reicht, um die Reputationsschäden des vergangenen Sommers zu überschreiben, als Grok sich auf X als „MechaHitler“ bezeichnete und antisemitische Beiträge verfasste, wird der EU-Start entscheiden.