Am frühen Morgen des 2. September 1666 brach in der Bäckerei von Thomas Farriner in der Londoner Pudding Lane ein Feuer aus, das binnen vier Tagen fast die gesamte mittelalterliche City vernichtete. Zum 360. Jahrestag erinnerte am Mittwoch die von Radio Bremen produzierte ARD-Reihe „Der Stichtag“ an die Katastrophe, der Londoner Historiker Matthew Green führte eine Gruppe über den ursprünglichen Brandherd, und der Evening Standard nahm das Datum zum Anlass, das Feuer von 1666 mit dem heißen und trockenen Sommer 2026 in Verbindung zu bringen.
Das Feuer begann laut zeitgenössischen Berichten kurz nach Mitternacht in Farriners Ofen. Ein starker Ostwind trieb die Flammen zunächst zu den Themse-Lagerhäusern und dann quer durch die City. Am Mittwochabend, dem 5. September, war der Brand nach Angaben der deutschen Wikipedia weitgehend unter Kontrolle. Bis dahin waren rund 13.200 Häuser, 87 Pfarrkirchen, 44 Zunfthallen, die Royal Exchange, die alte St Paul's Cathedral und drei Stadttore zerstört. Etwa 100.000 Menschen wurden obdachlos.
Wiederaufbau und Monument
Der königliche Baumeister Sir Christopher Wren legte König Karl II. innerhalb weniger Tage einen Plan für ein rasterförmig neu angelegtes London vor, mit breiten Achsen und geometrischen Plätzen. Umgesetzt wurde er nicht: Die City wurde entlang der alten mittelalterlichen Straßenverläufe wiederaufgebaut, allerdings mit neuen Vorschriften, die Ziegel und Stein an Stelle von Holz vorschrieben. An der Stelle, wo das Feuer ausbrach, ließ Wren zusammen mit Robert Hooke bis 1677 „The Monument“ errichten, eine 61 Meter hohe dorische Säule, die bis heute das offizielle Erinnern strukturiert.
Zur Zahl der Todesopfer gibt es bis heute Streit. Offiziell sind für die Tage des Brandes weniger als zehn Tote überliefert. Moderne Historiker halten diese Zahl für zu niedrig; sie verweisen auf undokumentierte Fälle unter der armen Stadtbevölkerung und auf Menschen, die im Winter 1666/67 in provisorischen Flüchtlingslagern an Hunger und Kälte starben. Die deutsche History-Channel-Chronik ordnet dem Brand einen Sachschaden von 9 bis 10 Millionen Pfund zu, was heutigen Berechnungen zufolge einem hohen einstelligen Milliardenbetrag entspricht.
Warum der Jahrestag 2026 Konjunktur hat
Der Historiker Matthew Green, der eine Promotion zur Stadtgeschichte in Oxford absolvierte, führte am Mittwoch eine Gruppe von Pudding Lane bis zur Fetter Lane, dem westlichen Punkt, an dem die Flammen 1666 zum Stillstand kamen. Parallel platzierte der Evening Standard einen Kommentar seines Autors Jack Jewers, der 1666 mit dem Klimasommer 2026 verknüpft. Monatelange Trockenheit und aufgeheizte Böden hätten das Holz in der City damals in Zunder verwandelt, argumentiert Jewers; London müsse sich, so seine Schlussfolgerung, auf heißere und trockenere Sommer einstellen. Das öffentlich-rechtliche Deutschland begleitete den Termin ohne solche Zuspitzung: Der Stichtag-Beitrag von Bremen Eins fasste die vier Tage von 1666 in vier Minuten zusammen.
Wir müssen uns auf heißere und trockenere Sommer vorbereiten.