Die Wiener Staatsanwaltschaft hat am Mittwoch Anklage gegen den österreichischen Kabarettisten Günther „Gunkl“ Paal erhoben. Dem 64-Jährigen wird nach Angaben von t-online der Vollzug einer geschlechtlichen Handlung mit einer Unmündigen sowie der Besitz von mindestens 960 Bilddateien und 19 Videodateien mit Missbrauchsdarstellungen Minderjähriger vorgeworfen. Zeitgleich wurden zwei Frauen aus dem Umfeld des mutmaßlichen Opfers wegen schwerer Erpressung angeklagt.
Ausgelöst wurde das Verfahren durch eine Selbstanzeige, die Paal im Mai 2026 erstattete. „Gegen Günther Paal wird seit Mai 2026 ein Ermittlungsverfahren geführt, wobei die Vorwürfe teils über 13 Jahre zurückliegen“, teilte sein Anwalt Florian Höllwarth Salzburg24 mit. „Mein Mandant hat eine umfassende Selbstanzeige erstattet.“ Nach Recherchen von t-online sollen die Mutter und die Großmutter des mutmaßlichen Opfers, das zum Tatzeitpunkt etwa fünf Jahre alt war, rund 189.000 Euro von Paal gefordert haben, bevor sie im Sommer in Untersuchungshaft kamen.
Bühnenauftritte reihenweise abgesagt
Für Paal drohen laut Anklage sechs Monate bis fünf Jahre Haft, den beiden mitangeklagten Frauen ein bis zehn Jahre. Sein Verteidiger stellt in der Berichterstattung den Missbrauchsvorwurf und den Datenbestand auseinander: Die auf dem Rechner gefundenen Aufnahmen seien „Bilder aus dem Internet, die bereits 13 Jahre alt waren“ und „getrennt von dem Missbrauchsverdacht rund um das Kind“ zu betrachten. Die Anklageschrift ist noch nicht rechtskräftig, ein Verhandlungstermin steht nicht fest.
Nach Bekanntwerden der Ermittlungen hatten die Wiener Kabarettbühnen ihre Konsequenzen gezogen. Der Stadtsaal in der Mariahilfer Straße strich die für den 18. September geplante Premiere seines 15. Soloprogramms „Apropos übrigens“. „Die Entscheidung wurde unmittelbar nach den ersten Informationen getroffen“, teilte das Haus laut MeinBezirk mit. Die Kulisse in Hernals sagte die Termine am 27. September, 17. Oktober und 7. Januar ab; das Kabarett Niedermair in der Josefstadt cancelte den Auftritt am 21. September. Paal selbst hatte alle September-Termine zunächst mit „gesundheitlichen Gründen“ abgesagt, bevor die Ermittlungen öffentlich wurden.
Mein Mandant hat eine umfassende Selbstanzeige erstattet.
Paal, in Wien geboren und seit Jahrzehnten fester Teil der österreichischen Kabarett-Szene, war einem breiteren Publikum durch seine Auftritte bei den ORF-„Science Busters“ bekannt. Auf der Plattform Kabarett.at sind sämtliche derzeit gelisteten Auftritte des 64-Jährigen als abgesagt markiert. Die Anwaltsseite verweist auf die Möglichkeit einer bedingten Strafe unter Auflagen wie einer Therapie - eine Einschätzung, über die das Wiener Landesgericht in einem noch nicht anberaumten Prozess entscheiden wird.