Schottland trifft am Sonntagmorgen im Gillette Stadium in Foxborough auf Haiti, Anpfiff im US-Bundesstaat Massachusetts ist um 03:00 Uhr deutscher Zeit. Es ist der erste Auftritt beider Teams in Gruppe C - und für viele Beobachter das wichtigste Spiel des Trios, bevor in den Folgepartien Brasilien und Marokko warten. Trainer Steve Clarke muss bis kurz vor Spielbeginn auf eine Entscheidung über Scott McTominay warten. Der Napoli-Mittelfeldspieler hatte das Trainingslager der Schotten in Charlotte wegen einer Magenerkrankung verlassen.
McTominay reiste nicht im Mannschaftsbus nach Boston, sondern wurde von einem Teamarzt begleitet, um eine Ausbreitung des Infekts im Kader zu verhindern. Auch Innenverteidiger Scott McKenna ist fraglich, der Mittelfeldspieler Billy Gilmour war wegen einer Knieverletzung schon vor Turnierbeginn ausgefallen. Im Tor zögert Clarke noch zwischen Angus Gunn und dem 43 Jahre alten Routinier Craig Gordon.
Für Schottland ist es das erste WM-Spiel seit Frankreich 1998. In zwölf Anläufen hat das Land noch nie eine Vorrunde überstanden - eine Bilanz, die Clarke korrigieren möchte. Wie er der BBC bestätigte, geht er davon aus, dass es seine letzte WM auf der Bank sein wird. Haitis Wartezeit ist noch länger: Die Karibikmannschaft spielt ihr erstes WM-Turnier seit Westdeutschland 1974 und damit erst die zweite Endrunde überhaupt. Damals war nach drei Niederlagen und ohne eigenes Tor Schluss in der Vorrunde.
Auf der Bank sitzt für Haiti der 53-jährige Franzose Sébastien Migné, im Juni 2024 ins Amt gekommen. Er übernahm ein Team, das wegen der Sicherheitslage in Port-au-Prince keine Heimspiele im eigenen Land austragen konnte. Sämtliche Qualifikationspartien spielte Haiti im rund 500 Meilen entfernten Curaçao, wie ESPN berichtete. Migné selbst hatte das Land bei seinem Amtsantritt noch nie betreten. Den Kern des Kaders rekrutierte er aus der Diaspora in Frankreich, England und den USA.
Nur an einer WM teilzunehmen, wäre uns nicht ambitioniert genug. Wir wollen ein Spiel gewinnen oder wenigstens einen Punkt holen.
Im 4-4-2-System der jüngsten Testspiele dürften Wilson Isidor von Sunderland und Rekordtorschütze Duckens Nazon, der nach Verbandsangaben auf 44 Tore in 78 Länderspielen kommt, den Angriff bilden. Auf schottischer Seite bleibt Kapitän Andy Robertson vom FC Liverpool der Taktgeber, dazu kommt Aston-Villa-Spielmacher John McGinn. Steve Clarke hatte sich nach dem 4:0 im letzten Test gegen Bolivien zufrieden gezeigt: „Endlich hat es einmal so geklappt, wie ich es wollte - keine Verletzungen, eine ordentliche Leistung und ein gutes Ergebnis.“ Den Begriff WM mied er bewusst.
Schlüsselspiel in Gruppe C
Die andere Gruppen-Begegnung läuft schon im MetLife Stadium in New Jersey, wenn Robertson und Co. in Foxborough einlaufen: Brasilien gegen Marokko startet um Mitternacht deutscher Zeit, also rund drei Stunden vor Haiti-Schottland. Beide Mannschaften kennen das Ergebnis aus dem Quartett damit bereits, bevor sie auflaufen. Sie wissen auch: Wer in der Gruppe noch realistisch um den Achtelfinaleinzug spielen will, muss in Boston liefern. Marokko und Brasilien gelten als zu stark, um sich zweimal Punkte abnehmen zu lassen.
Das Erste überträgt das Spiel live, am Stadion stehen Esther Sedlaczek und Bastian Schweinsteiger, Tom Bartels kommentiert. Bei MagentaTV bilden Wolff-Christoph Fuss am Mikrofon sowie Jürgen Klopp, Thomas Müller und Mats Hummels als Experten das Team. Das Spiel ist außerdem in der ARD-Mediathek und auf sportschau.de zu sehen.