Der frühere Emir von Katar, Scheich Hamad bin Chalifa Al Thani, ist am Sonntagmorgen im Alter von 74 Jahren gestorben. Das teilte der Amiri Diwan, der Sitz des amtierenden Emirs, in Doha mit und sprach von einem „großen Verlust für die Nation“. Zur Todesursache machte das Herrscherhaus keine Angaben. Für Montag setzte Katar eine viertägige Staatstrauer an; Regierungsbehörden und öffentliche Einrichtungen bleiben geschlossen, Flaggen wehen auf Halbmast.
Hamad hatte 1995 in einem unblutigen Palastputsch die Macht von seinem Vater übernommen und regierte das Emirat 18 Jahre lang, ehe er 2013 freiwillig an seinen damals 33 Jahre alten Sohn Tamim bin Hamad Al Thani übergab. Der geordnete Rücktritt zu Lebzeiten war unter den Herrscherhäusern am Golf ein außergewöhnlicher Vorgang, wie Al Jazeera in seinem Nachruf hervorhebt. Unter Hamads Herrschaft baute Katar seine Erdgasförderung so massiv aus, dass das kleine Emirat heute zu den größten Flüssiggas-Exporteuren der Welt zählt.
1996 rief Hamad den Nachrichtenkanal Al Jazeera ins Leben, der die Medienlandschaft der arabischen Welt umkrempelte. 2004 gab er dem Land seine erste geschriebene Verfassung, ein Jahr später durften bei Kommunalwahlen erstmals auch Frauen antreten und wählen. Außenpolitisch trieb der Emir Vermittlungen im Libanon, im Sudan und in Palästina voran, öffnete Doha als Bühne für Dialogformate wie die Taliban-Gespräche - und holte 2010 den Zuschlag für die Fußball-Weltmeisterschaft 2022, das bis heute umstrittene Prestigeprojekt des Landes.
Kondolenzen aus dem gesamten Nahen Osten
Die Reaktionen auf den Tod kamen am Sonntag im Stundentakt. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan würdigte laut Al Jazeera den Verstorbenen für dessen Beitrag zu „politischen, wirtschaftlichen, militärischen, humanitären und kulturellen Beziehungen“. Der Emir der Vereinigten Arabischen Emirate, Mohammed bin Zayed Al Nahyan, schrieb, er bete für den Verstorbenen. Indiens Premierminister Narendra Modi erinnerte an einen „visionären Anführer, der Katar zu großer Entwicklung und Wohlstand geführt“ habe. Malaysias Regierungschef Anwar Ibrahim nannte den Ex-Emir einen Mann, der sein Land „zu einer Nation von globaler Bedeutung“ gemacht habe. Kondolenzen kamen zudem aus Ägypten, Jordanien, dem Libanon, dem Irak, Libyen, Pakistan und Syrien.
Ein visionärer Anführer, der Katar zu großer Entwicklung und Wohlstand geführt hat.
Hamad hinterlässt drei Ehefrauen und rund zwei Dutzend Kinder. In Katar war er auch nach seinem Rücktritt eine öffentliche Figur: Beim Eröffnungsspiel der von ihm eingefädelten Weltmeisterschaft 2022 im Lusail-Stadion habe der sichtlich geschwächte Ex-Emir minutenlangen Applaus erhalten, schreibt Al Jazeera. Sein Sohn Tamim, seit zwölf Jahren im Amt, hat den Konfrontationskurs des Vaters mit Saudi-Arabien und den Emiraten zwischenzeitlich entschärft; die Grundpfeiler der katarischen Politik - Gas, Al Jazeera und diplomatische Vermittlung - hält er unverändert hoch.