Die mutmaßliche Hamas-Zelle, gegen die die Bundesanwaltschaft seit Oktober ermittelt, hat nach Erkenntnissen der Karlsruher Strafverfolger einen konkreten Anschlag in Europa vorbereitet. Generalbundesanwalt Jens Rommel teilte auf der Jahrespressekonferenz seiner Behörde mit, bei einem der Beschuldigten sei ein „vorgefertigtes Bekennervideo“ sichergestellt worden. Das Video habe einen Anschlag rund um den 7. Oktober angekündigt - dem zweiten Jahrestag des Hamas-Überfalls auf Israel von 2023.

Seit Herbst vergangenen Jahres hat die Bundesanwaltschaft neun mutmaßliche Hamas-Anhänger festnehmen lassen. Die ersten drei Verdächtigen wurden bereits am 1. Oktober 2025 in Berlin und Leipzig in Untersuchungshaft genommen, kurz bevor sich das Datum des Vorjahresmassakers jährte. Die Karlsruher Behörde wirft der Gruppe vor, sich spätestens seit Sommer 2025 am Transport und an der Lagerung von Waffen und Munition für die islamistische Organisation beteiligt zu haben. Die Waffen sollten nach Erkenntnissen der Ermittler für Anschläge auf israelische oder jüdische Einrichtungen in Deutschland und im übrigen Europa verwendet werden.

Bei einem der Beschuldigten wurde ein vorgefertigtes Bekennervideo sichergestellt.
- Jens Rommel, Generalbundesanwalt

Rommel führt die Bundesanwaltschaft seit März 2024. Die Behörde ist als oberste Strafverfolgungsinstanz für Terrorismus, Spionage und Völkerstrafrecht zuständig. Auf der Jahrespressekonferenz in Karlsruhe legte Rommel die Bilanz seiner Behörde vor. Der Hamas-Komplex zählt nach Angaben der Ermittler zu den priorisierten Verfahren, weil mit dem Bekennervideo erstmals ein verschriftlicher Tatentschluss vorliegt.

Internationale Beschaffung, Anschlagsziele in Europa

Wie t-online unter Berufung auf Ermittlerkreise berichtet, ging die Beschaffung der Waffen über mehrere europäische Länder. In welchem Stadium die Vorbereitung in den Wochen vor dem 7. Oktober 2025 war und ob ein konkretes Ziel bereits feststand, ließ Rommel offen. Die Beschuldigten sitzen in Untersuchungshaft, die Anklage ist bislang nicht erhoben. Die Bundesanwaltschaft hatte sich nach den ersten Festnahmen Anfang Oktober wegen des „besonderen Gewichts“ des Falls eingeschaltet.

Die Hamas wird seit Anfang 2024 in Deutschland als Vereinigung mit Betätigungsverbot geführt. Sicherheitsbehörden hatten in den vergangenen Monaten wiederholt vor einer erhöhten Anschlagsgefahr im europäischen Raum gewarnt - insbesondere im Umfeld jüdischer Einrichtungen, israelischer Vertretungen und Gedenktage. Erst Anfang Juni hatte Innenminister Alexander Dobrindt die Schutzmaßnahmen für Synagogen erneut verschärfen lassen. Eine Stellungnahme des Bundesinnenministeriums zur Pressekonferenz der Bundesanwaltschaft lag zunächst nicht vor.