Wie wir am Freitag berichteten, sucht die Polizei nach Daniel V., einem 48 Jahre alten Mann aus Gevelsberg, der für die Anschlagsserie auf deutsche Umspannwerke verantwortlich sein soll. Am Sonntag zog die Fahndung mit einem Großaufgebot in den Hambacher Forst westlich von Köln um. Der Einsatz begann am Mittag, endete gegen 19 Uhr und blieb erfolglos. „Es seien keine Hinweise gefunden worden“, sagte eine Sprecherin der Kölner Polizei der Nachrichtenagentur dpa laut Tagesspiegel.
Nach Angaben eines dpa-Reporters waren bis zu 100 Polizeifahrzeuge im Wald zwischen Kerpen und dem Braunkohletagebau im Einsatz. Die Beamten stießen dabei auf ein besetztes Baumhaus, konnten es nach Berichten von ZDFheute aber zunächst nicht durchsuchen, weil die dafür nötigen Spezialkräfte nicht verfügbar waren. Stattdessen wurde das Objekt observiert. Bereits am Freitagabend hatte ein Sondereinsatzkommando bei Niederzier in unmittelbarer Nähe des Hambacher Forsts einen zum Wohnmobil umgebauten Truck des Verdächtigen gestürmt, ihn selbst aber nicht angetroffen.
Die Ermittler suchen nun bundesweit auch nach einem schwarzen Trenoli-Rennrad vom Typ „Tazio Sportivo M“ mit einer Rahmenhöhe von 56 Zentimetern, das der Flüchtige nach Erkenntnissen der Polizei benutzt haben könnte. Ein am Samstag veröffentlichter Fahndungsaufruf mit Fotos soll die Suche verbreitern.
Neue Vorfälle in der Nacht
Während die Fahndung weiterläuft, häufen sich neue Vorfälle. Gegen 22 Uhr am Sonntagabend rückte ein größerer Polizeitrupp an das RWE-Umspannwerk Niederrhein in Wesel aus und umstellte die weitläufige Anlage. Die Beamten entdeckten ein Loch im Sicherheitszaun. Unbekannte waren nach Angaben der Behörden offenbar dadurch auf das Gelände gelangt. Ob technische Einrichtungen beschädigt oder manipuliert wurden, war zunächst offen. Ein Hubschrauber unterstützte die Suche aus der Luft.
Wenige Stunden später, gegen 02:40 Uhr am Montagmorgen, brannte an der Bissingzeile im Berliner Bezirk Mitte eine Baustelle, das Feuer griff auf eine benachbarte Trafostation über. 25 Einsatzkräfte der Berliner Feuerwehr rückten aus, mehrere Bereiche brannten, es kam zu Explosionen. Die Stromversorgung sei nicht beeinträchtigt gewesen, teilte die Polizei mit. Ob ein technischer Defekt oder Brandstiftung vorliegt, ermittelt die Kriminalpolizei. Ein Zusammenhang mit der Anschlagsserie ist bislang nicht bestätigt.
Das Wissen, was offenbart wird in diesen Schreiben, das ist eindeutiges Täterwissen.
21 Sprengsätze allein in Sachsen
In Sachsen setzt sich unterdessen die Serie fort, die zu Wochenbeginn zwölf Funde in Ostsachsen ergeben hatte. Am Sonntag entschärften Spezialkräfte des Landeskriminalamts nach Angaben der Polizeidirektion Görlitz neun weitere selbstgebaute Sprengvorrichtungen unmittelbar südlich des Umspannwerks Graustein bei Schleife. Damit stieg die Gesamtzahl der in Sachsen aufgefundenen Vorrichtungen auf 21. Die Ermittlungen führt die Zentralstelle Extremismus in Sachsen (ZESA) bei der Generalstaatsanwaltschaft Dresden gemeinsam mit dem LKA.
Nach übereinstimmenden Berichten von taz und ZDFheute geht die Bundesanwaltschaft weiterhin von einem einzelnen Täter aus, schließt weitere Mitwirkende aber nicht aus. In dem handschriftlichen Bekennerschreiben, das an mehrere Redaktionen ging, heißt es: „Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen ist ein Verbrechen.“ Ein Familienmitglied habe die Handschrift als die von Daniel V. wiedererkannt, berichtet die taz. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sprach am Sonntag von „Klimaextremismus“.
NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) verwies auf die Folgen für die Bevölkerung: „Keine Ideologie taugt als Ausrede“, sagte er der taz mit Blick auf die Gefährdung der Stromversorgung von Krankenhäusern. Die Behörden riefen erneut zu Hinweisen auf. Beobachtungen können über das Hinweisportal nrw.hinweisportal.de gemeldet werden, in Sachsen zusätzlich über die Hotline der Ermittler in Potsdam.