Hans Maier ist tot. Der frühere bayerische Kultusminister und langjährige Präsident des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken starb am Montagabend nach kurzer Krankheit in einem Münchner Krankenhaus, wie die Bayerische Staatskanzlei am Dienstag mitteilte. Maier wurde 94 Jahre alt. Am 18. Juni hätte er seinen 95. Geburtstag gefeiert.

Ministerpräsident Markus Söder reagierte auf Instagram mit ungewöhnlich persönlichen Worten. „Mit Hans Maier verliert Bayern einen großen Gelehrten und Staatsmann“, schrieb der CSU-Vorsitzende am Mittwoch. „Er war gewissermaßen das intellektuelle Gewissen des bürgerlichen Bayern seiner Zeit.“ Sein politisches Handeln sei „getragen von einer klaren Haltung und der Überzeugung, dass Freiheit und Verantwortung untrennbar zusammengehören“, so Söder weiter. „Der Freistaat wird Hans Maier stets ein ehrendes Andenken bewahren.“

Mit Hans Maier verliert Bayern einen großen Gelehrten und Staatsmann. Er war gewissermaßen das intellektuelle Gewissen des bürgerlichen Bayern seiner Zeit.
- Markus Söder, Ministerpräsident Bayerns, auf Instagram

Maier prägte das bayerische Bildungssystem über 16 Jahre. Von 1970 bis 1986 leitete er das Staatsministerium für Unterricht und Kultus, zunächst unter Ministerpräsident Alfons Goppel, ab 1978 unter Franz Josef Strauß. Im Bayerischen Landtag saß er von 1978 bis 1987 für den Wahlkreis Günzburg. Sein Rücktritt 1986 fiel mit einem offenen Konflikt mit Strauß zusammen: Der Ministerpräsident hatte das Kultusministerium ohne Maiers Wissen aufteilen lassen. Wie die „Abendzeitung München“ in ihrem Nachruf festhält, blieb Maier zeitlebens bekannt dafür, sich der Parteidisziplin der CSU nicht zu beugen.

Parallel zur Ministertätigkeit war Maier von 1976 bis 1988 Präsident des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken, des größten Laienverbands im deutschen Katholizismus. Er verteidigte als ZdK-Präsident und als Kultusminister den Erhalt der Kruzifixe in bayerischen Klassenzimmern. 1999 gehörte er zu den Mitgründern des Beratungsvereins Donum vitae, der nach dem Rückzug der katholischen Kirche aus der staatlichen Schwangerschaftskonfliktberatung entstanden war.

Akademisch lehrte Maier als Professor für Politische Wissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München und hatte später den Romano-Guardini-Lehrstuhl für christliche Weltanschauung, Religions- und Kulturtheorie inne. Mehr als 1.000 Publikationen führen sein Schriftenverzeichnis auf, darunter die 2011 erschienenen Memoiren „Böse Jahre, gute Jahre“. 2021 stiftete er rund 1.700 Bände aus seiner Privatbibliothek der Katholischen Akademie in Bayern.

Streit mit der eigenen Partei

Im Ruhestand mischte sich Maier weiter ein. 2015 verteidigte er Bundeskanzlerin Angela Merkel gegen die scharfe Kritik aus der CSU an deren Asylpolitik. Söders Kreuz-Erlass von 2018, der das Aufhängen von Kruzifixen in bayerischen Behörden vorschreibt, lehnte er öffentlich ab - obwohl er selbst Jahrzehnte zuvor um die Kreuze in den Schulen gekämpft hatte. Während der Corona-Pandemie demonstrierte er in München mit Kulturschaffenden für staatliche Unterstützung.

Die letzten Monate waren von einem persönlichen Verlust überschattet. Maiers Frau Adelheid, mit der er seit 1962 verheiratet war, starb im März 2026 im 88. Lebensjahr. Tochter Johanna Stegmaier sagte der „Abendzeitung München“, der Tod ihrer Mutter habe Maier „schwer zugesetzt“, die Eltern seien „extrem eng verbunden“ gewesen. Danach habe ihm „etwas der Wille zum Leben“ gefehlt. Aus der Ehe gingen sechs Töchter hervor.

Maier erhielt den Bayerischen Verdienstorden und war Mitglied mehrerer deutscher Akademien. In Erinnerung bleibt er als CSU-Politiker, der den katholischen Laienverband und die bayerische Bildungspolitik zugleich prägte - und als jemand, der die innerparteiliche Loyalität dort enden ließ, wo aus seiner Sicht eine Frage der Haltung begann.