Wie wir am 31. August berichteten, hatte das norwegische Königshaus für diesen Mittwoch das Staatsbegräbnis für König Harald V. angesetzt. Heute setzt sich um 12 Uhr der grosse Trauerzug vom Königsschloss in Bewegung, um 13 Uhr beginnt der Gottesdienst im Osloer Dom, geleitet vom vorsitzenden Bischof der Norwegischen Kirche Olav Fykse Tveit und der Osloer Bischöfin Sunniva Gylver. Ganz Norwegen hält zum Auftakt eine Schweigeminute, eingeleitet und beendet durch dreimaliges Glockenläuten.

Hinter dem Sarg schreiten laut ZDFheute König Haakon VIII., Königin Mette-Marit, Kronprinzessin Ingrid Alexandra, Altkönigin Sonja sowie Prinz Sverre Magnus und Prinzessin Märtha Louise. Nach dem Gottesdienst zieht der Trauerzug weiter zur nahe gelegenen Kirche der Festung Akershus, wo Harald V. im königlichen Mausoleum neben seinem Vater Olav V. beigesetzt wird. Erst in dieser Schlosskirche findet die private Familienfeier statt, danach empfängt das Königshaus die royalen Gäste im Schloss.

Deutschland ist durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vertreten. Aus Grossbritannien reisen Prinz William und Prinzessin Anne an, König Charles III. bleibt der Zeremonie fern - britische Tradition sieht vor, dass regierende Monarchen bei Staatsbegräbnissen befreundeter Königshäuser häufig durch Familienangehörige vertreten werden. Auch die dänische Altkönigin Margrethe II. fehlt: Sie liegt seit dem 6. September mit einem Hüft-Hämatom und leichter Dehydrierung in der Klinik, wie news.de unter Berufung auf Palastangaben berichtet. Ihr Sohn Frederik X. und Königin Mary werden in Oslo erwartet, ebenso das schwedische Königspaar Carl XVI. Gustaf und Silvia mit Kronprinzessin Victoria, das niederländische Königspaar Willem-Alexander und Máxima gemeinsam mit Altkönigin Beatrix sowie das spanische Königspaar Felipe VI. und Letizia mit Altkönigin Sofía. Aus Japan reisen Kronprinz Akishino und Kronprinzessin Kiko an, aus Jordanien König Abdullah II., aus Monaco Fürst Albert II., dazu die Fürstenpaare aus Luxemburg und Liechtenstein.

Wir trauern um König Harald und empfinden tiefe, aufrichtige Dankbarkeit für alles, was er uns durch sein Leben und Wirken bedeutet hat.
- Olav Fykse Tveit, vorsitzender Bischof der Norwegischen Kirche

Grösste Polizeioperation der Landesgeschichte

Die norwegische Polizei hat für den Trauertag ein Sicherheitsaufgebot mobilisiert, das sie in dieser Grössenordnung bislang nicht kannte. „Es ist völlig offensichtlich, dass dies ein sehr großer, vielleicht sogar einer der größten Polizeieinsätze überhaupt werden wird“, zitiert news.de einen Polizeisprecher. Grosse Teile der Osloer Innenstadt sind für den Verkehr gesperrt, entlang der Prozessionsroute gelten Kontrollen, unter anderem sind Regenschirme untersagt. Schwedische und dänische Polizeikräfte unterstützen die Norweger, an mehreren Grenzübergängen wurden temporär Kontrollen eingerichtet. Bis zu 700 Journalisten haben sich für die Berichterstattung akkreditiert.

Der Zuspruch der Bevölkerung war in den vergangenen Tagen erheblich. Nach Angaben des Königshauses legten rund 200.000 Menschen Blumen und Briefe am Schlossplatz nieder, an einem einzelnen Samstag zogen 4.500 Trauernde am aufgebahrten Sarg vorbei. Der öffentlich-rechtliche Sender NRK fasste die Stimmung in dem viel zitierten Satz zusammen, es sei, „als ob mehr als fünf Millionen Trauernde den Verlust eines geliebten Königs betrauern“.

Ein Monat Hoftrauer bis 9. Oktober

Mit der Beisetzung endet die offizielle Landestrauer, es schliesst sich bis zum 9. Oktober eine einmonatige Hoftrauer an. In dieser Zeit sagt der Palast alle nichtverfassungsmässigen Termine ab, Bedienstete tragen dunkle Kleidung oder Uniformen mit Trauerband. Schon am Samstag hatte der neue König Haakon VIII. in seiner ersten Fernsehansprache seinen Vater gewürdigt. „Danke, dass du so ein guter Vater für Martha und mich warst“, sagte er - eine der wenigen persönlichen Zeilen einer Rede, die sonst betont staatstragend blieb. Am Dienstag hatte Haakon vor dem Storting den Verfassungseid abgelegt und damit den Übergang formell vollzogen.