Ein schnell wachsender Vegetationsbrand am Rand der Stadt Reno hat in Nevada rund 42.000 Menschen aus ihren Wohnungen getrieben. Weitere 45.000 Anwohner wurden in eine Warnstufe gesetzt und aufgefordert, sich auf eine mögliche Evakuierung vorzubereiten. Gouverneur Joe Lombardo rief für Washoe County den Notstand aus und mobilisierte die Nationalgarde. Nach Angaben der Behörden hatte das sogenannte Hawk Fire am Sonntagnachmittag Ortszeit rund 13.000 Acres (etwa 5.260 Hektar) erfasst und war zu null Prozent eingedämmt.

Das Feuer war am Samstagvormittag am Hawk Meadow Trail nordwestlich von Reno ausgebrochen und wuchs binnen weniger Stunden vom kleinen Buschbrand zum Großfeuer. Starker, böiger Wind, niedrige Luftfeuchtigkeit und trockene Vegetation trieben die Flammen die Hänge des Peavine Mountain hinauf, dann in Richtung der Stadt. Der Truckee Meadows Fire Protection District bezifferte die Zahl der akut bedrohten Häuser auf rund 1.000. Nahe der Ortschaft Somersett und in den Northern Valleys stand die Feuerfront am Sonntag zeitweise unmittelbar an den Wohngebieten.

Fire Chief Richard Edwards sprach in einer Pressekonferenz von einer „sehr dynamischen Lage, die vom Wind getrieben wird“. Sechs Menschen wurden verletzt, darunter drei Einsatzkräfte. Rund 10.000 Haushalte und Betriebe waren zeitweise ohne Strom. Der US-Highway 395, eine zentrale Nord-Süd-Achse, musste abschnittsweise gesperrt werden. Der Campus der University of Nevada, Reno lag am Sonntagabend am Rand der Evakuierungszone; die Hochschule stellte den Präsenzbetrieb ein.

Wenn Ihnen die Evakuierung angeordnet wurde, warten Sie nicht. Ihr Leben ist wichtiger als ein Gebäude.
- Hillary Schieve, Bürgermeisterin von Reno

Als Sammelstelle diente das Reno-Sparks Convention Center, zwei zusätzliche Standorte wurden für Haustiere eingerichtet. Bürgermeisterin Hillary Schieve richtete sich in einer Videobotschaft direkt an die Anwohner: „Wenn Ihnen die Evakuierung angeordnet wurde, warten Sie nicht“, zitiert der Sender CBS News. „Ihr Leben ist wichtiger als ein Gebäude.“ Etwa 400 Einsatzkräfte von örtlichen, staatlichen und Bundesbehörden waren nach ABC-News-Angaben am Sonntag im Einsatz, unterstützt von zwei Hubschraubern der Nationalgarde. Weitere 60 Nationalgardisten sollen die geräumten Wohnviertel vor Plünderungen sichern.

Menschengemachte Ursache

Washoe County Sheriff Darin Balaam bestätigte am Sonntag, dass eine erste Untersuchung menschliche Aktivität als Auslöser identifiziert habe. Details zur konkreten Ursache nannte er nicht, ein Ermittlungsverfahren läuft. Ob das Feuer versehentlich - etwa durch Funkenschlag - oder vorsätzlich gelegt wurde, ist offen. Der National Weather Service in Reno warnt seit Tagen vor sogenannten Red-Flag-Bedingungen: Windböen bis 75 Stundenkilometer, einstellige Werte bei der relativen Luftfeuchtigkeit und Temperaturen um 35 Grad Celsius.

Der Fall reiht sich in eine Serie außergewöhnlicher Waldbrände im amerikanischen Westen ein. Das Wetterportal wetter.com berichtete am Sonntag von „dichten Rauchwolken, die den Himmel über dem US-Bundesstaat verdunkelten“. Al Jazeera bezifferte die Zahl der Betroffenen auf rund 90.000, die Grenze zwischen Kalifornien und Nevada verlief am Sonntag durch die evakuierte Zone. Für die Nacht auf Montag rechnete der Truckee Meadows Fire Protection District mit leicht nachlassenden Winden - genug, so Edwards, „um vielleicht die ersten Prozentpunkte an Eindämmung zu erreichen“.