Ein Buschfeuer nordwestlich von Reno hat am Samstag binnen weniger Stunden mehr als 10.500 Acres erfasst, umgerechnet gut 4250 Hektar. Nevadas Gouverneur Joe Lombardo rief am Abend für Washoe County den Katastrophenfall aus, rund 1000 Häuser sind nach Angaben des Sheriffbüros bedroht. Der sogenannte Hawk Fire brennt am Osthang des Peavine Mountain, springt Straßen und ist bislang zu null Prozent unter Kontrolle.

Nach Angaben des öffentlich-rechtlichen Senders KUNR wurde das Feuer um 11.25 Uhr Ortszeit nahe dem Somersett Golf and Country Club gemeldet. Innerhalb einer Stunde wuchs es auf 40 Acres, um 14.48 Uhr waren es bereits 2500, um 19.22 Uhr rund 8000, gegen 20.30 Uhr die aktuellen 10.522 Acres. Der Wind trieb die Flammen über den Highway 395 hinweg nach Nordosten in Richtung Golden Valley, Lemmon Valley und Stead. Rund 50.000 Kunden in Reno und Sparks waren zeitweise ohne Strom.

Renos Bürgermeisterin Hillary Schieve wandte sich am Abend über die städtischen Kanäle an die Bewohner der Evakuierungszonen. „Bei diesem Brand sind bereits Gebäude niedergebrannt, und Ihr Leben ist wichtiger als ein Gebäude“, zitierte die Stadt Schieve auf X. Konkrete Zahlen zu zerstörten Häusern nannte die Feuerwehr zunächst nicht. Die Sammelstelle im Evelyn Mount Community Center war laut KUNR am frühen Abend belegt, Evakuierte wurden in Halle 4 des Reno-Sparks Convention Center weitergeleitet.

Bei diesem Brand sind bereits Gebäude niedergebrannt, und Ihr Leben ist wichtiger als ein Gebäude.
- Hillary Schieve, Bürgermeisterin von Reno

Gouverneur Lombardo unterzeichnete die Katastrophenerklärung am späten Samstagabend und wies die Landesbehörden an, ihre Einsätze über das Notfallzentrum des Bundesstaates zu koordinieren. „Die Lage ist aktiv und entwickelt sich rasch, ich bitte alle in den betroffenen Gebieten, wachsam zu bleiben“, erklärte Lombardo laut CNN. Es ist bereits die zweite Notstandserklärung für Washoe County in diesem Monat: Am 10. August hatte Lombardo denselben Schritt für die Bug- und Fred-Mountain-Feuer im nördlichen Landkreis vollzogen, die zeitweise mehr als 16.000 Acres verbrannten und Tausende Menschen aus ihren Häusern trieben.

Wind, Trockenheit, ausgedörrter Boden

Als Ursache steht bisher nichts fest. Die Behörden verweisen auf die Kombination aus starkem Wind, niedriger Luftfeuchtigkeit und trockenem Buschwerk am Fuß des Peavine, vor allem auf ausgedörrtes Cheatgrass, das sich in dieser Jahreszeit im gesamten Great Basin schnell entzündet. Richard Edwards, Chef der Feuerwehr Truckee Meadows, sagte gegenüber Journalisten in Reno: „Windgetriebene Brände bewegen sich sehr schnell in unsere Wohngebiete, und das schafft eine Menge Herausforderungen für unsere Feuerwehrleute.“ Rund 400 Einsatzkräfte kämpfen aktuell gegen das Feuer, Löschflugzeuge und Hubschrauber flogen die Nacht hindurch.

Die Region hat einen langen Waldbrandsommer hinter sich. Neben den Bug- und Fred-Mountain-Feuern hatte Anfang August auch das Stallion-Feuer Landkreise in Nord-Nevada beschäftigt, wie das Portal 8newsnow berichtet. Reno und Sparks liegen an der Ostflanke der Sierra Nevada in einer klassischen wildland-urban interface, in der Neubaugebiete unmittelbar an offenes Buschland grenzen. Somersett, wo der Hawk Fire begann, ist eine dieser Siedlungen.

Wie es Sonntag weitergeht, hängt am Wetter. Der National Weather Service in Reno hatte für den Samstag Warnungen vor kritischen Brandbedingungen ausgegeben, für Sonntagvormittag rechnen die Meteorologen mit nachlassenden Winden. Für die Feuerwehr geht es zunächst darum, die Nordostflanke des Feuers vor den Wohngebieten in Golden Valley und Stead zu stoppen. Eine Bilanz an zerstörten Häusern und Verletzten will die Washoe County Sheriff's Office erst am Sonntag vorlegen.