Am Ende stand ein 0:5, doch der Hamburg-Eimsbütteler Ballspiel-Club hat sich am Montagabend im Volksparkstadion teuer verkauft. Vor 45.917 Zuschauern - laut DFB die höchste Kulisse für einen Fünftligisten in der Pokal-Geschichte - hielt der HEBC in der ersten Runde des DFB-Pokals mehr als eine halbe Stunde lang das Ergebnis offen, ehe Kapitän Janek Wrede in der 33. Minute mit einem Eigentor die Tür für Borussia Dortmund öffnete.
Danach ging es schnell: Nur drei Minuten nach dem Eigentor legte Daniel Svensson nach einer Vorlage von Julian Ryerson auf 0:2. In der 41. Minute erhöhte Samuele Inácio nach Zuspiel von Marcel Sabitzer, in der Nachspielzeit der ersten Hälfte traf der Portugiese ein zweites Mal - erneut nach Vorbereitung durch Ryerson. Fábio Silva besorgte in der 59. Minute den Endstand. Der HEBC-Torhüter Marius Schoon und dessen Vertreter Nils Ahmann hatten mehrfach Höheres verhindert.
Wir haben heute den Pokal erlebt, wie wir ihn lieben - das, was den Pokal so schön macht. Für sie war es das Spiel des Lebens.
BVB-Coach Niko Kovac ordnete den Auftritt seiner Mannschaft nüchtern ein. „Das war ein gelungener Tag, wir sind weiter, und das Drumherum war so schön“, sagte Kovac nach dem Schlusspfiff. Er lobte ausdrücklich die Leidenschaft des Gegners: „Wie sie sich reingeschmissen haben, in jeden Ball. Die Torhüter haben jede Parade bejubelt, die Fans auch.“ Marcel Sabitzer stellte fest: „Wir haben die Pflicht erfüllt“, schob aber selbstkritisch nach, dass „ein paar Tore mehr“ möglich gewesen wären. Felix Nmecha sprach von einem „wichtigen Sieg“ und einem „schönen Erlebnis“ für die Gastgeber.
Ein Kapitän aus dem HSV-Scouting
Kurios: Der 33-jährige HEBC-Kapitän Janek Wrede, dem das Eigentor unterlief, arbeitet hauptberuflich in der Scoutingabteilung des Hamburger SV - jenes Klubs also, dessen Heimstätte für die Partie umfunktioniert wurde. HEBC-Trainer Philipp Obloch hatte vor dem Anpfiff die Marschroute vorgegeben: „Wenn du als Amateurverein die Chance bekommst, DFB-Pokal zu spielen, dann musst du sie so annehmen wie der HEBC.“ Die Eimsbüttler, seit der Saison 2020/21 in der Oberliga Hamburg, waren über den Landespokalsieg vom 23. Mai 2026 erstmals in den DFB-Pokal eingezogen.
Für Dortmund geht es am kommenden Wochenende in der Bundesliga weiter. Der HEBC kehrt in den Alltag der fünften Liga zurück - mit einer bislang durchwachsenen Bilanz von zwei Siegen und drei Niederlagen in der Oberliga. Der Pokalabend wird trotzdem als der bisher größte Moment in der 115-jährigen Vereinsgeschichte in die Chronik eingehen.