Julia Jäger übernimmt im Freitagsfilm der ARD die Hauptrolle in „Heute fängt mein neues Leben an“ - einer Tragikomödie über eine Kleptomanin, die nach ihrer Haftentlassung feststellt, dass ihre Familie ohne sie weitergelebt hat. Das Erste zeigte den Film am 7. August um 20:15 Uhr, in der ARD Mediathek steht er bereits seit dem 6. August zum Abruf. Regie führte Katja Benrath, das Drehbuch stammt von Dominique Lorenz.

Jäger spielt Amelie Fehling, die jahrelang ein Doppelleben führte: Weder Ehemann Jörg (Götz Schubert) noch Tochter Romy (Mathilde Bundschuh) wussten von den Diebstählen, bis die Polizei zuschlug und ein Gericht sie in Haft schickte. Nach der Entlassung will Amelie an ihr altes Leben anknüpfen, doch der Vertrauensbruch wiegt schwer. Ihr Schwiegervater Herbert (Dominic Raacke), der als Bürgermeisterkandidat um sein Amt kämpft, macht deutlich, dass die Rückkehrerin auf Romys Hochzeit unerwünscht ist. Amelie landet bei dem Taxifahrer Baris (Ugur Kaya), der sie zusammen mit seiner Mutter Melek (Şiir Eloğlu) und seiner schwangeren Schwester Aynur (Zeynep Bozbay) in seiner Wohnung aufnimmt.

Die Kritik nimmt den Film wohlwollend, aber ohne Euphorie auf. Das Portal film-rezensionen.de vergibt sechs von zehn Punkten und lobt die Kontrastierung der beiden Familienmilieus, kritisiert jedoch, Amelie bleibe „bis zum Schluss recht passiv“ und der Humor funktioniere überwiegend über peinliche Situationen. Auch die Zeichnung der türkischen Gastfamilie sei stereotyp geraten. Die TV-Movie-Redaktion hebt hingegen die schauspielerische Präsenz Jägers hervor und beschreibt den Film als leisen Neustart-Stoff, dessen zielsicheres Happy End vor allem am Freitagabend seine Wirkung entfalte.

Ich stelle mir vor, dass hier nur glückliche Menschen rausgehen.
- Julia Jäger über ihren heimlichen Traumjob in einem Blumenladen, brisant.de

Von Donna Leon nach Angermünde

Für Jäger ist die Amelie eine typische Rolle: eine Frau am Bruchpunkt, deren melancholische Schichten die 1970 in Angermünde geborene Schauspielerin schon in den vergangenen Jahrzehnten regelmäßig herausgearbeitet hat. Bekannt wurde sie einem breiten Publikum als Paola Brunetti in den ARD-Verfilmungen der Donna-Leon-Romane, die zwischen 2003 und 2019 in Venedig entstanden; parallel gehörte sie mit der Rolle der Katja Brückner zum Ensemble der MDR-Krankenhausserie „In aller Freundschaft“. International wurde sie 2007 wahrgenommen: In Jochen Alexander Freydanks Kurzfilm „Spielzeugland“, der bei den Academy Awards 2009 den Oscar in der Kategorie Best Live Action Short Film gewann, spielte sie die Hauptrolle.

In einem Gespräch mit dem MDR-Boulevardmagazin Brisant beschreibt sich Jäger jenseits von Premieren und Sets als „fast unsichtbar“. Ihren heimlichen Traumberuf verortet sie in einem Blumenladen in Berlin-Pankow, den sie regelmäßig besuche - „weil ich die Pflanzen mag, weil ich die Blumen so wunderschön finde“. Die 56-Jährige nutzt die aktuelle Sendephase auch, um Persönliches zu erzählen: Auf der ARD-Seite Joyn berichtet sie, wie sie einst von ihrem heutigen Ehemann einen Korb bekommen habe. Sichtbar ist Jäger derzeit auch außerhalb der Freitagsfilm-Schiene: Ihre Wikipedia-Seite verzeichnete am 8. August einen deutlichen Anstieg der Zugriffszahlen im deutschsprachigen Raum, wie der Trendmonitor von Trending Deutschland ausweist.