Die Hitzewelle erreicht am Freitag ihren angekündigten Höhepunkt. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat seine amtlichen Warnungen am Vormittag des 19. Juni auf nahezu alle Bundesländer ausgeweitet und warnt zugleich für den Nachmittag vor Superzellen sowie vereinzelt vor Tornados. In Hessen, Nordrhein-Westfalen und Teilen Niedersachsens gilt seit 11 Uhr eine extreme Hitzewarnung der Warnstufe 2.

Wie wir am Donnerstag berichteten, hatte der DWD Hitzespitzen bis 38 Grad und schwere Gewitter für das Wochenende vorhergesagt. Verantwortlich für die Lage ist nach Angaben des Wetterdienstes das Hochdruckgebiet „Gorgias“, das von Südwesteuropa nach Mitteleuropa zieht und feucht-heiße Luftmassen aus Nordafrika nach Deutschland transportiert. „Die erste deutschlandweite Hitzewelle kommt von Südwesten und sie kommt mit Macht“, sagte DWD-Meteorologe Marcel Schmid gegenüber t-online.

Bis 38 Grad in Hessen, extreme Warnstufe vom Emsland bis Göttingen

Die höchsten Temperaturen erwartet der Wetterdienst am Freitag im Westen: in Hessen bis 38 Grad, in Nordrhein-Westfalen bis 37 Grad, ebenso in Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz und im Saarland. In Baden-Württemberg sind nach Angaben des Wochenblatt Reporter lokal sogar 39 Grad möglich. Die extreme Hitzewarnung erstreckt sich laut DWD vom Emsland in Niedersachsen über Heinsberg, das Ruhrgebiet und Ostwestfalen bis nach Nordhessen und in den Landkreis Göttingen. Andere Regionen mit ähnlichen Werten erhalten die niedrigere Warnstufe 1, weil in die Klassifizierung auch die gefühlte Temperatur einfließt.

Ab 15 Uhr Superzellen-Risiko zwischen Köln und Hamburg

Ab dem späten Nachmittag, etwa um 15 Uhr, rechnet der Wetterdienst mit der Entwicklung kräftiger Gewitter, die sich zu Superzellen organisieren können. Im Korridor zwischen Köln und Hamburg sowie entlang der niederländischen Grenze stufen die Meteorologen das Risiko am höchsten ein. Möglich sind nach DWD-Einschätzung 40 bis 60 Liter Regen pro Quadratmeter in kurzer Zeit, Hagel und Sturmböen bis 120 Stundenkilometer. Auch Tornados schließen die Wetterdienste nicht aus.

Ab einem Wert von 4000 J/kg kann man von extremen Gewittern sprechen.
- Jan Schenk, Meteorologe, zum am Freitag gemessenen CAPE-Wert von 4800 J/kg

Der DWD warnt eindringlich vor gesundheitlichen Risiken. Hitzebelastung könne für den menschlichen Körper gefährlich werden und zu zahlreichen gesundheitlichen Problemen führen, erklärt die Behörde. Sie empfiehlt, Hitze nach Möglichkeit zu meiden, ausreichend zu trinken und Innenräume kühl zu halten. Krankenkassen haben für die Sommermonate Telefon-Hotlines eingerichtet, das Robert Koch-Institut führt eine erweiterte Überwachung, die zusätzliche Sterbefälle in Echtzeit erfasst.

Nach dem Wochenende ist nach DWD-Angaben keine schnelle Entspannung zu erwarten. Die Hitzewelle dürfte bis Anfang kommender Woche andauern, mit verbreitet 30 bis 38 Grad und einem Heat Dome über Mitteleuropa. Das europäische Vorhersagezentrum ECMWF berechnet auch für den 27. Juni Extremwerte und damit eine längere Andauer der Hitzeperiode.